Information Politics : Informationsbedürfnis, Mediengebrauch und Informiertheit über Völkerrechtsverletzungen im 2. Golfkrieg

dc.contributor.authorReimann, Michaeldeu
dc.contributor.authorKempf, Wilhelm
dc.date.accessioned2011-03-25T09:21:35Zdeu
dc.date.available2011-03-25T09:21:35Zdeu
dc.date.issued1992deu
dc.description.abstractDer Widerspruch zwischen maßloser Medienpräsenz und gleichzeitig lückenloser Zensur während des Golfkrieges verwickelte die Öffentlichkeit in eine Situation, die alle Definitionsmerkmale der Doppelbindung aufweist: infolge ihres Informationsmonopols bestand eine intensive Abhängigkeit von den Medien, die es besonders wichtig machte, deren Mitteilungen genau zu verstehen, um angemessen darauf reagieren zu können. Mit dem Anspruch, realitätshaltige Informationen zu liefern, bei gleichzeitiger Mitteilung, daß diese Informationen infolge der Zensur unglaubwürdig seien, übermittelten die Medien jedoch zwei widersprüchliche Botschaften, zu denen man wegen des Mangels an unabhängigen Informationsquellen nicht Stellung beziehen, sich aber infolge der Allgegenwart des Krieges auch nicht aus der Situation zurückziehen konnte (vgl. Kempf, 1991).
Untersuchungen über die Langzeitwirkungen psychologischer Folter haben gezeigt, daß die Zerstörung der Bezugssysteme durch Doppelbindungen einen Prozeß der Dehumanisierung bewirkt, zu dessen Symptomen u.a. selektive Unaufmerksamkeit, ausweichender Skeptizismus und paranoide Abwehrhaltungen gehören, welche die Fähigkeit klar zu denken beeinträchtigen und für das Leid anderer unempfänglich machen (vgl. Samayoa, 1990; Martín-Baró, 1991). Unsere Arbeitshypothese lautet, daß die Methoden der psychologischen Einflußnahme, welche den Medienalltag während des Golfkrieges prägten, nicht nur enge strukturelle Verwandschaft mit den Methoden des psychologischen Terrors aufweisen, sondern daß sie daher (zwar in abgeschwächter Form) auch strukturell die selben Folgen zeitigen (vgl. Palmbach & Kempf, 1992). Diese Folgen sollten mithilfe einer Fragebogenstudie untersucht werden, welche die Autoren 9 Monate nach Kriegsende an Studierenden der Universität Konstanz durchgeführt haben.
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