A Common Place, a Contested Space : Reciprocal Representations of Russian and Eastern European Migrants in their Berlin Narratives

dc.contributor.authorFinkelstein, Miriam
dc.date.accessioned2024-10-07T09:54:21Z
dc.date.available2024-10-07T09:54:21Z
dc.date.issued2014
dc.description.abstractGegenstand dieses Beitrags sind die gegenseitigen Repräsentationen russischer und osteuropäischer Migrantinnen und Migranten in Texten von Wladimir Kaminer, Olga Martynova, Aleksei Shipenko, Nellja Veremej sowie von Bora Ćosić, Dubravka Ugrešić und Jaroslav Rudiš. Ausgehend vom Konzept der Transdifferenz, wie es Helmbrecht Breinig und Klaus Lösch postulieren, wird argumentiert, dass literarische, soziale, politische und andere Interaktionen und Wechselbeziehungen in modernen multikulturellen Gesellschaften als komplexe und multireferentielle Systeme zwischen Individuen unterschiedlichster kultureller und sprachlicher Herkunft verstanden werden müssen. Am Beispiel von Texten, deren Handlung in Berlin angesiedelt ist, einer Stadt, die nach der Wende zum gemeinsamen Raum für zahlreiche Menschen aus Ex-Jugoslawien, Polen, der ehemaligen Sowjetunion etc. wurde, wird der Frage nachgegangen, wie die Beziehungen zwischen Osteuropäern in Berlin imaginiert werden. Dabei kommt es zu einem asymmetrischen Verhältnis: In den Texten russischer Autorinnen und Autoren wird ein dezidiert russischer ‚ Berlin-Raum‘ produziert, der die Präsenz von türkischen, arabischen und anderen Migrantinnen und Migranten, nicht aber von anderen Osteuropäerinnen und Osteuropäern zulässt; Figuren osteuropäischer Herkunft sind nur selten anzutreffen. Gleichzeitig werden russische Migrantinnen und Migranten als einzige Opfer der kommunistischen Vergangenheit und zugleich als deren einzig legitime Interpretinnen und Interpreten geschildert. Gegen ihren Ausschluss aus dem ‚Berlin-Raum‘, gegen die Herabsetzung und die Aberkennung ihrer Autorität setzen sich osteuropäische Autorinnen und Autoren in ihren Texten vehement zur Wehr, nicht zuletzt indem sie sich als einzig legitime Erben russischer Schriftsteller der 1920er Jahre in Berlin positionieren. Im Sinne der postkolonialen Theorie werden diese Auseinandersetzungen in und um Berlin als ‚ neokoloniale‘ russische und ‚antikoloniale‘ osteuropäische Bestrebungen verstanden.
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