Adhärenz in der Physiotherapie : Entwicklung und Evaluation einer Intervention zur Steigerung der Adhärenz in der ambulanten Physiotherapie

dc.contributor.authorMessner, Thomas
dc.date.accessioned2012-02-20T14:19:32Zdeu
dc.date.available2012-02-20T14:19:32Zdeu
dc.date.issued2011deu
dc.description.abstractEinleitung: Wie in anderen medizinischen Bereichen, so spielt auch in der Physiotherapie die Adhärenz des Patienten eine bedeutende Rolle. Durch eine aktive Beteiligung kann der Patient den Therapieverlauf entscheidend beeinflussen. Die Veränderung des Übungs- und Aktivitätsverhaltens von Patienten im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung ist zudem nicht nur eine therapeutische Notwendigkeit, sondern auch ein vom Gesetzgeber formulierter Auftrag. Demgegenüber steht ein bislang defizitärer und theoriearmer Forschungsstand. Dieser kann durch die Integration von gesundheitspsychologischen Theorien befruchtet werden. Vor dem Hintergrund der spezifischen beruflichen Rahmenbedingungen führt dies zu einer motivationalen und einer volitionalen Prozessebene, die zur Gestaltung einer Intervention herangezogen werden können. Die Analyse der therapeutischen Interventionsforschung zeigt, dass bislang lediglich motivationale Theoriekonzepte verwendet wurden. Die Ergebnisse deuten auf eine Erfolg versprechende Integration der volitionalen Prozessebene. Das Ziel der Untersuchung ist die Entwicklung und die Evaluation einer volitionalen Intervention zur Steigerung der Adhärenz in der ambulanten physiotherapeutischen Behandlung. Hinsichtlich der Adhärenz wurde in die zwei Zielkriterien allgemeines Bewegungsprogramm und therapeutisches Übungsprogramm differenziert.
Methode: Insgesamt konnten 45 Patienten mit akuten bis subakuten unspezifischen lumbalen Rückenschmerzen mit einem gültigen physiotherapeutischen Rezept rekrutiert und randomisiert in eine Interventionsgruppe (N=23) und eine Kontrollgruppe (N=22) aufgeteilt werden. Die Patienten der Kontrollgruppe erhielten eine physiotherapeutische Behandlung entsprechend den Heilmittelrichtlinien. Mit den Patienten der Interventionsgruppe wurde zusätzlich ein 45-minütiges Interventionsgespräch zwischen der ersten und zweiten Behandlung und sieben Tage später ein kurzes Telefonat geführt. Die Interventionsinhalte waren auf den Bereich des allgemeinen Bewegungsprogramms beschränkt. Dabei wurden gemeinsam mit einer externen Person Handlungs- (HP) und Bewältigungspläne (BP) erstellt und Handlungskontrollstrategien (HK) erarbeitet. Die Messzeitpunkte zum Ende der Therapie (t2) sowie drei (t3) und acht Wochen (t4) nach dem Ende der Behandlung ermöglichen Aussagen zur Effektivität und zur Nachhaltigkeit der Intervention hinsichtlich der Adhärenz, der Outcomes Schmerz und Funktionseinschränkungen sowie dem eigenständigen Einsatz volitionaler Strategien.
Ergebnisse: Die Auswertung mittels zweifaktorieller Varianzanalysen mit Messwiederholung zeigt im Bereich der allgemeinen körperlichen Aktivität einen signifikanten Interaktionsterm Gruppe x Zeit (F(1,43)= 11.90, p= .001). Hinsichtlich der Nachhaltigkeit kann ein signifikanter Haupteffekt Gruppe nachgewiesen werden (F(1,28)= 4.887, p= .035). Im Bereich der therapeutischen Übungen lässt sich eine Tendenz zugunsten der Interventionsgruppe erkennen. Die Intervention hat keinen Einfluss auf die Entwicklung des Schmerzes und der wahrgenommenen Funktionseinschränkungen. Hinsichtlich der eigenständigen Umsetzung der volitionalen Strategien für den Bereich der therapeutischen Übungen während der Therapie können jeweils signifikante Interaktionseffekte (HP: F(1,43)= 7.460, p= .009; BP: F(1,42)= 6.698, p= .013; HK: F(1,20)= 8.506, p= .006) identifiziert werden. Die Betrachtung der Nachhaltigkeit zeigt ebenfalls für alle volitionalen Prozesse signifikante Haupteffekte Gruppe (HP: F(1,30)= 4.371, p= .045; BP: F(1,28)= 9.122, p= .005; HK: F(1,29)= 6.605, p=.016).
Diskussion: Durch eine zusätzliche volitionale Intervention lässt sich die Adhärenz von Patienten im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung steigern. Eine Implementierung der Interventionsinhalte in die Therapie scheint durchaus Erfolg versprechend. Weiterhin wird deutlich, dass Transfereffekte auf Seiten der Patienten zu erwarten sind und diese in der Lage sind, eigenständig volitionale Planungs- und Kontrollstrategien anzuwenden. Dies deutet vor dem Hintergrund der begrenzten zeitlichen Ressourcen auf eine vielversprechende Integrationsmöglichkeit. Die fehlende Wirkung auf die wichtigen Outcomes Schmerz und Funktionseinschränkungen lässt sich unter anderem durch die bislang unklare Dosis-Wirkungs-Zusammenhänge erklären. Weitere Studien sind notwendig, um beispielsweise die langfristigen Effekte zu beleuchten sowie die mediale Gestaltung und die Anpassung weiterer Interventionen an das spezielle Setting zu optimieren.
deu
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