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Das grammatische System der obersorbischen Umgangssprache unter besonderer Berücksichtigung des Sprachkontakts

Das grammatische System der obersorbischen Umgangssprache unter besonderer Berücksichtigung des Sprachkontakts

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SCHOLZE, Lenka, 2007. Das grammatische System der obersorbischen Umgangssprache unter besonderer Berücksichtigung des Sprachkontakts [Dissertation]. Konstanz: University of Konstanz

@phdthesis{Scholze2007gramm-3672, title={Das grammatische System der obersorbischen Umgangssprache unter besonderer Berücksichtigung des Sprachkontakts}, year={2007}, author={Scholze, Lenka}, address={Konstanz}, school={Universität Konstanz} }

The grammatical system of the upper sorbian colloquial language under special consideration of language contact Das grammatische System der obersorbischen Umgangssprache unter besonderer Berücksichtigung des Sprachkontakts deu In der vorliegenden Arbeit wird ein Porträt der als SWR (serbska wobchadna rěč) bezeichneten modernen obersorbischen Umgangssprache der katholischen zweisprachigen Bevölkerung in der westlichen Oberlausitz im Kreis Kamenz (Sachsen) gegeben, und zwar anhand der wichtigsten grammatischen Besonderheiten und unter besonderer Berücksichtigung des Sprachkontakts.<br />Nach dem einleitenden I. Kapitel, in dem unter anderem in die benutzte sprachkontaktspezifische Terminologie eingeführt wird, widmet sich das II. Kapitel der äußeren Situierung der obersorbischen (katholischen) Umgangssprache SWR in Abgrenzung gegen den katholischen Dialekt SKD und die obersorbische Schriftsprache HSR, sowie ihren deutschen Hauptkontaktvarietäten. Das III. Kapitel dient einer Darstellung der phonetischen und phonologischen Grundstrukturen der SWR. Besonders zu betonen ist hier das gegenüber dem Dialekt wie dem Standard erheblich erweiterte Vokalsystem.<br />Das IV. Kapitel ist in der Hauptsache den nominalen grammatischen Kategorien gewidmet. Es beginnt mit einer Darstellung des Deklinationssystems von Substantiv, Adjektiv, Pronomen und Numerale und der Kasusrektion in der SWR. Als eigener Abschnitt wird die Komparation der Adjektive und Adverbien analysiert. Hierauf folgt eine Darstellung der Genuskategorie unter Einbeziehung auch der Entlehnungen. Die anschließende Beschreibung der Besonderheiten des Duals zeigt, daß dieser, anders als im Dialekt und in der Schriftsprache, in der SWR zu einer Rektionsform von zwei und beide reduziert wurde. Den Abschluß des IV. Kapitels bildet eine ausführliche Darstellung zum Ausdruck der Definitheit in Form eines indefiniten und eines definiten Artikels.<br />Das V. Kapitel befaßt sich mit den grammatischen Kategorien des Verbs. Es beginnt mit einer Beschreibung der Konjugationsformen nach den grammatischen Tempora Präsens, Präteritum (Perfekt) und Futur geordnet. Einige Besonderheiten des Imperativs und der Negation sind in eigenen Abschnitten behandelt, es folgen das Passiv, der Konditional, der Resultativ und Besonderheiten des Verbs bei der höflichen Anrede sowie eine Charakterisierung der nur noch sporadisch verwendeten Tempora. Ein größerer Abschnitt ist dem Verbalaspekt gewidmet. Hier werden auf der Grundlage einer großen Zahl von Beispielen vor allem die mit Präfix gebildeten Aspektpaare einer genaueren Analyse unterzogen. Es zeigt sich, daß die slavische derivative Aspektkategorie, wie sie auch noch für die obersorbische Standardsprache und im Prinzip auch für die Dialekte angesetzt wird, zur Kategorie der grammatischen Terminativität umgebaut wurde. Die sich daran anschließende Analyse der Verben der Fortbewegung zeigt schließlich, daß auch diese Korrelation in der SWR lebendig geblieben ist.<br />Kapitel VI. ist dem lexikalischen Lehngut gewidmet. Auffällig ist dabei insbesondere die weitgehend unflektierte Integration der Adjektive, während für Verben und Substantive eine produktive Integration in die einzelnen Flexionsklassen (und Genera) erfolgt, bei den letzteren allerdings mit Einschränkungen. In eigenen Abschnitten sind Lehnübersetzungen, Hybridbildungen und auch unflektierte Wortarten behandelt.<br />Im VII. Kapitel werden einige wichtige Grundfragen der Syntax der SWR angesprochen, wobei aber angesichts der auf grammatische Kategorien ausgerichteten Zielsetzung der Arbeit nur jeweils eine kurze Darstellung gegeben wird. Unter dem Thema unpersönliche Konstruktionen werden hier das unpersönliche Passiv, das unpersönliche to es und Konstruktionen des man-Typs angesprochen. Es folgt eine Darstellung des Gebrauchs der Existenzkonstruktion mit dawe(ja) es gibt , sowie eine kurze Charakterisierung der Wortstellung, die im gesamtsorbischen Rahmen schon häufiger Gegenstand von Untersuchungen war.<br />Grundsätzlich wird in der vorliegenden Arbeit zwischen rein formalen und strukturellen Kontakteinflüssen unterschieden. Die Existenz einer Diagrammatik bei Sprechern der SWR ist unter anderem für die Vielzahl von Lehnübersetzungen, die auf der lexikalischen Ebene zu den strukturellen Kontakteinflüssen gerechnet werden können, verantwortlich, in besonderem Maße aber für die starke Produktivität von Hybridbildungen, bei denen jeweils ein fremdes mit einem genuinen Wortbildungselement verbunden wird. Auf allen Ebenen und in allen Kategorien der Grammatik wird die semantische Strukturanpassung als Hauptverfahren der sprachlichen Beeinflussung angenommen, wobei durch diese sowohl der Aufbau von Oppositionen (etwa definiter und indefiniter Artikel, werden-Passiv) bewirkt wird, als auch ihr Umbau (v.a. bei der Aspektkategorie) und ihre Reduktion (z.B. in der Numeruskategorie). Resistenz gegen die semantische Strukturanpassung finden wir im Bereich der Kasuskategorie, insofern als lediglich der Vokativ zu einem Zusammenfall mit dem Nominativ tendiert, dafür aber Lokativ und Instrumental als selbständige Grammeme erhalten geblieben sind, obwohl ihre Funktionen im Deutschen durch andere Kasus ausgedrückt werden. Die Untersuchung des Futurs in der SWR hat neben einer eventuell kontaktbedingten Ausweitung der analytischen Bildungsweise ebenfalls einige überraschend kontaktresistente Phänomene ergeben. Noch weiter geht die Eigenständigkeit der SWR auch gegenüber den Kontakteinflüssen bei der Neubildung eines reinen Infinitivfuturs. Die wenigen überblickhaft analysierten Phänomene im Bereich der Syntax zeigen sehr starken Einfluß des Deutschen auf die SWR, wenn auch mit spezifischen Lösungen. Aufgrund ihrer strukturellen Eigenschaften erweist sich die SWR als eine relativ selbständige Varietät zwischen Hochsprache und Dialekt. application/pdf Scholze, Lenka deposit-license 2011-03-24T10:06:00Z 2011-03-24T10:06:00Z Scholze, Lenka 2007

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