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Schulische Langeweile und Berufswahlintentionen : Mehr als nur Über- oder Unterforderung?

Schulische Langeweile und Berufswahlintentionen : Mehr als nur Über- oder Unterforderung?

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KRANNICH, Maike, Thomas GÖTZ, Madeleine BIEG, 2016. Schulische Langeweile und Berufswahlintentionen : Mehr als nur Über- oder Unterforderung?. 4. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF). Berlin, 9. Mrz 2016 - 11. Mrz 2016. In: Posterpräsentation auf der 4. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Berlin. 4. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF). Berlin, 9. Mrz 2016 - 11. Mrz 2016

@inproceedings{Krannich2016Schul-34446, title={Schulische Langeweile und Berufswahlintentionen : Mehr als nur Über- oder Unterforderung?}, year={2016}, booktitle={Posterpräsentation auf der 4. Tagung der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Berlin}, author={Krannich, Maike and Götz, Thomas and Bieg, Madeleine} }

2016 Götz, Thomas Krannich, Maike Berufswahlintentionen können als höchst relevante Outcome-Variablen im Kontext von Schule erachtet werden – derzeit insbesondere bezüglich der MINT-Fächer und des dort vorherrschenden Mangels an Nachwuchsfachkräften. Das Erwartungs-x-Wert Modell von Eccles und Kollegen (1983) stellt ein etabliertes Modell dar, welches die komplexen Einflussfaktoren auf Berufswahlintentionen beschreibt. Im schulischen Kontext können sowohl fachspezifische Über- als auch Unterforderung die Erfolgserwartung beeinflussen und damit als Erwartungskomponenten betrachtet werden. Langeweile als negative Emotion kann aufgrund ihrer Auftretenshäufigkeit (z.B. Nett, Götz & Hall, 2011) als wichtige Wertkomponente angesehen werden. Die Auswirkungen von Über- und Unterforderung als auch Langeweile in der Schule sind insofern komplex, da Über- und Unterforderung wiederum wichtige Antezedenzien der Langeweile darstellen (z.B. Acee et al., 2010; Lohrmann, 2008). Die vorliegende Studie untersucht das komplexe Zusammenspiel dieser Variablen im Hinblick auf Berufswahlintentionen.<br /><br />Überforderung im Unterricht entsteht, wenn Schülerinnen und Schüler die Kontrolle über die Situation aufgrund zu schwieriger Aufgaben als gering erleben; Unterforderung wiederum entsteht, wenn das Kontrollerleben als zu hoch empfunden wird (z.B. Pekrun et al., 2010). Es kann davon ausgegangen werden, dass Überforderung mit geringerer Erfolgserwartung und damit auch verringerten Berufswahlintentionen – hinsichtlich dem jeweiligen Schulfach verwandten Berufen – einhergeht (Hypothese 1a); für Unterforderung werden hingegen aufgrund der mit ihr einhergehenden hohen Erfolgserwartungen positive Effekte auf Berufswahlintentionen vermutet (Hypothese 1b). Langeweile in der Schule resultiert primär aus einer fehlenden Passung zwischen der individuellen Fähigkeit und der erlebten Herausforderung (Daschmann, Goetz & Stupnisky, 2011; Mikulas & Vodanovich, 1993) und sollte daher sowohl bei Über- als auch Unterforderung entstehen (Hypothese 2). Es wird darüber hinaus erwartet, dass Langeweile als negative Wertkomponente (Pekrun, 2000) negativ mit fachverwandten Berufswahlintentionen zusammenhängt (Hypothese 3). Während die Wirkung von Überforderung auf Berufswahlintention sowohl direkt, als auch vermittelt über Langeweile negativ sein sollte (siehe Hypothese 1a und 2), ist die Gesamtwirkung von Unterforderung auf die Berufswahlintention als komplex anzunehmen: der direkte Effekt sollte hier positiv sein, der über Langeweile vermittelte Effekt hingegen negativ (siehe Hypothese 1b und 2).<br /><br />Zur Hypothesenprüfung wurde eine Studie mit N = 662 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 (_M_Alter = 17.69, 54% weiblich) aus acht Gymnasien der deutschsprachigen Schweiz durchgeführt. Fachspezifisches Langeweileerleben (Trait-Langeweile), wahrgenommene Über- bzw. Unterforderung und Berufswahlintentionen wurden mittels Fragebogen jeweils in den Fächern Deutsch, Mathematik und Französisch erhoben. Die Effekte von Über- bzw. Unterforderung auf Berufswahlintentionen und Langeweile, als auch von Langeweile auf Berufswahlintentionen wurden in M_plus_ 7.1 (Muthén & Muthén, 2012) mit Hilfe latenter Strukturgleichungsmodelle unter Berücksichtigung der geschachtelten Datenstruktur (Schüler in Klassen) getestet.<br /><br />Über alle drei Fächer hinweg ließen sich negative direkte Effekte von Überforderung und positive Effekte von Unterforderung auf Berufswahlintentionen nachweisen. Weiterhin zeigten sich positive Effekte sowohl von Über- als auch Unterforderung auf Langeweile. Die Ergebnisse stehen im Einklang mit bisherigen Forschungsarbeiten, die suboptimale Passung zwischen Umwelt- und Personenmerkmalen als Antezedenzien von Langeweile identifizierten (z.B. Csikszentmihalyi, 1975). Weiterhin konnten negative Effekte von Langeweile auf die Berufswahlintentionen der Schülerinnen und Schüler gezeigt werden. Neben dem direkten Effekt von Über- bzw. Unterforderung blieb darüber hinaus auch ein indirekter Effekt über Langeweile auf die Berufswahlintentionen bestehen. Dieser indirekte Effekt war wie erwartet sowohl im Falle von Über- als auch Unterforderung negativ.<br /><br />Die Ergebnisse der Studie zeigen sowohl einen Einfluss von Über- bzw. Unterforderung auf Berufswahlintentionen und darüber hinaus, dass schulische Langeweile ebenfalls mit Berufswahlintentionen zusammenhängt. Interessant ist hierbei insbesondere der komplementäre Einfluss von Unterforderung und Langeweile auf Berufswahlintentionen, welcher in weiteren Forschungsarbeiten näher betrachtet werden sollte. Die vorliegende Befundlage liefert ein Indiz dafür, dass im Unterricht erlebte Langeweile auch bei unterforderten Schülern in der schulischen Praxis nicht unterschätzt werden sollte. 2016-06-17T09:17:31Z Schulische Langeweile und Berufswahlintentionen : Mehr als nur Über- oder Unterforderung? Bieg, Madeleine deu 2016-06-17T09:17:31Z Götz, Thomas Bieg, Madeleine Krannich, Maike

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