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Peripherie der Moderne : Buddhistische Motive und die Dekonstruktion institutionalisierter Religion in Hermann Hesses "Siddhartha"

Peripherie der Moderne : Buddhistische Motive und die Dekonstruktion institutionalisierter Religion in Hermann Hesses "Siddhartha"

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GRÖNER, Carina, 2013. Peripherie der Moderne : Buddhistische Motive und die Dekonstruktion institutionalisierter Religion in Hermann Hesses "Siddhartha". Hermann Hesse und die Moderne. Szeged, 2. Mai 2012 - 5. Mai 2012. In: DETLEF HABERLAND ..., , ed.. Hermann Hesse und die Moderne : Diskurse zwischen Ästhetik, Ethik und Politik; Beiträge der internationalen Tagung aus Anlass des fünfzigsten Todestages des Dichters vom 2. bis 5. Mai 2012 am Germanistischen Institut der Universität Szeged. Hermann Hesse und die Moderne. Szeged, 2. Mai 2012 - 5. Mai 2012. Wien:Praesens-Verl., pp. 144-160. ISBN 978-3-7069-0760-6

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2013 Peripherie der Moderne : Buddhistische Motive und die Dekonstruktion institutionalisierter Religion in Hermann Hesses "Siddhartha" deu Hermann Hesses Erzählung „Siddharta“ aus dem Jahr 1922 entstand in einer Zeit, zu der sich Exotisches und dabei gerade die seit den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts verstärkt durch deutsche Übersetzungen zugänglich gewordenen östlichen Erfahrungsreligionen wachsender Beliebtheit in der deutschen Literatur erfreuten. Dieser Umstand verdankt sich sicher nicht zuletzt der traumatischen Erfahrung des Ersten Weltkrieges, welcher in vielen Menschen den Wunsch nach Transzendenz anregte, ohne jedoch hinter die Erkenntnisse der Religionskritik zurückzutreten zu wollen. Diese Transzendenzerfahrung suchten viele im Medium der Literatur.<br />In diesemm Beitrag zu Hesses Siddharta wird exemplarisch die literarische Verarbeitung der buddhistischen Grundmotive der Vier Edlen Wahrheiten und des Prinzips der Begierde als Ursache des menschlichen Leidens untersucht. Ausgehend von der Analyse dieser Motive im Text zeige ich im Anschluss daran, wie der Text mithilfe einer bereits im Paratext des Titels angelegten Parallelstruktur gerade diejenigen zeitgenössischen Hoffnungen auf die östlichen Religionen als alternative Institutionsform von Religion dekonstruiert, welche die Rezeption dieser Texte und ihrer literarischen Umsetzungen in der Peripherie der Moderne vorantreiben. Emile Durkheim definiert die Religion 1912 in seinem Werk Die elementaren Formen des religiösen Lebens funktionalistisch als Ausdruck des Sozialen und Funktion zur Stiftung gesellschaftlicher Identität . Im Gegensatz dazu favorisiert der Text klar die als nicht kommunizierbar dargestellte individuelle Erfahrungswelt des als Einzelnen. Schon damit scheitert eine Institutionalisierung des Buddhismus als Alternativreligion und deren Darstellung im Text. Die Dekonstruktion der Religion als Institutionsform ist aber formal schon im Paratext angelegt, verwendet dieser doch den Rufnamen des historischen Buddha, Siddharta, als Titel. Während aber gerade die Verwendung des weltlichen Namens an dieser Stelle für Historizität und damit für eine institutionalisierte Überlieferungstradition zu bürgen scheint, so widerspricht dieser Annahme sofort der Untertitel Eine Indische Dichtung, indem das Wort Dichtung das Fiktive Element betont. Dieser Parallelitätseffekt fächert sich im Text weiter auf, inhaltlich durch die Doppelung der Buddhafiguren, in den radikal individuellen Protagonisten Siddharta einerseits und den als Repräsentanten einer institutionalisierten Religion dargestellten Buddha Gotama andererseits. Formal wiederholt sich die Parallelstruktur des Titels durch den Aufbau der Geschichte als "doppelten Kursus", einer Erzählstruktur mittelalterlichen Ursprungs. Damit widerspricht die Verwendung der buddhistischen Motive im Text beiden von Durkheim geforderten grundlegenden Funktionen der Religion: Der Religion als Verkörperung der Gesellschaft , dadurch, dass der Protagonist Siddharta zwar exemplarischen Charakter hat, diesen aber eben durch seine Individualität nicht als Bestandteil einer Gesellschaft gewinnt. Weiterhin widerspricht der Text einer Definition von Religion als Entstehungsort von Erkenntniskategorien, indem er jede kommunikative oder mediale Vermittlung von Erkenntnis kategorisch verneint. So leugnet der Text die Vermittlung von religiöser Erfahrung und betont aber gleichzeitig den Stellenwert der ästhetischen Erfahrung. Denn gerade in seiner Erscheinungsform als Textmedium verweist er ausschließlich auf sich selbst. 2015-03-31T08:12:12Z 2015-03-31T08:12:12Z Gröner, Carina Gröner, Carina

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