Studien zum Alltag in Konstanz 1945-1949

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REICH, Hanna Sophia, 2003. Studien zum Alltag in Konstanz 1945-1949 [Master thesis]

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2011-03-25T09:35:20Z deposit-license Studien zum Alltag in Konstanz 1945-1949 Thema der vorliegenden Arbeit ist der Nachkriegsalltag unter französischer Besatzung in der südbadischen Kleinstadt Konstanz am Bodensee. Ausgehend von der globalen und von der gesamtdeutschen Situation nach 1945 wird dargestellt, welchen Bedingungen der Nachkriegsalltag in Konstanz unterworfen war, mit welchen Problemen sich die Konstanzer Bevölkerung konfrontiert sah, welche Ursachen diese Probleme hatten und wie sie gelöst wurden. Besondere Beachtung finden dabei die Frauen, da ihr Alltag in außergewöhnlich hohem Maße von den Bedingungen der Nachkriegszeit geprägt wurde.<br />Drei Faktoren prägten den Alltag der Nachkriegszeit: erstens der Mangel an Lebensmitteln und sämtlichen anderen Gütern des täglichen Bedarfs, zweitens der durch die Kriegsverluste bedingte hohe Frauenüberschuss und drittens die Anwesenheit der Besatzer.<br />Im ersten Kapitel wird zunächst nach den Ursachen des Mangels gefragt. In einem zweiten Schritt soll untersucht werden, wie der Mangel von den zuständigen Stellen organisiert wurde.<br />Es wird zu zeigen sein, dass die Wirtschaftspolitik der Alliierten in hohem Maße für den Mangel in den Nachkriegsjahren verantwortlich war. Das Verbot ganzer für den Export produzierender Industriezweige sowie der äußerst erschwerte Interzonenhandel machten eine Produktion der von der Bevölkerung dringend benötigten Güter fast unmöglich. Demontagen und Requisitionen wogen dagegen weit weniger schwer. Der Mangel strukturierte in hohem Maße den Alltag der Bevölkerung, vor allem der Hausfrauen. Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, dass es nicht zu einer erhöhten Sterblichkeit kam.<br />Das zweite Kapitel gibt einen Überblick über die kriegsbedingten Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur, die einen hohen Frauenüberschuss zur Folge hatten. Der Frauenüberschuss in Konstanz war enorm. Es gab 1946 annähernd doppelt so viele Frauen wie Männer in Konstanz. Trotz dieser grundlegenden Veränderung in der Bevölkerungsstruktur wurde auch in Konstanz bald damit begonnen, die Frauen aus den als unweiblich empfundenen Berufen zu entfernen.<br />Im dritten Kapitel wird geschildert, was es hieß unter der ständigen Anwesenheit der Besatzer zu leben. Die Anwesenheit der Besatzer prägte auch in Konstanz in hohem Maße den Alltag der Bevölkerung. Vor allem zu Beginn der Besatzungszeit lebte die Bevölkerung in einem Gefühl der völligen Rechtlosigkeit. Das Verhältnis zwischen Bevölkerung und Besatzung wurde durch die teilweise überzogenen Maßnahmen der Besatzer bereits in den ersten Monaten erheblich getrübt. Es kann jedoch gezeigt werden, dass auch in Konstanz der persönliche Kontakt zwischen Siegern und Besiegten zu positiveren gegenseitigen Urteilen führen konnte. Für die Frauen konnte die Anwesenheit der Besatzer über das Gefühl der Rechtlosigkeit hinaus noch andere Auswirkungen haben. Auch in Konstanz kam es zu Vergewaltigungen und unehelichen Geburten von Besatzungskindern . Es kann jedoch gezeigt werden, dass die soziale Stigmatisierung der Franzosenleibchen weit gefährlicher war, als die Anwesenheit der Besatzer.<br /><br />Konstanz unterschied sich durch die Randlage und die Unzerstörtheit von allen anderen Städten der FBZ. Daraus erwuchsen der Stadt einerseits Nachteile: die Randlage trieb die Schwarzmarktpreise in die Höhe und verstärkte das Gefühl der Informationslosigkeit, die Unzerstörtheit der Stadt führte zu einer überdurchschnittlichen Truppenbelegung, die den Wohnungsmarkt bis weit in die 1950er Jahre negativ beeinflusste. Andererseits kamen der Stadt sowohl Randlage als auch Unzerstörtheit zugute: zahlreiche Schweizer Spenden linderten vor allem die gespannte Ernährungslage und der Bevölkerung blieben die mühseligen und kostspieligen Aufbauarbeiten erspart, die andere Städte lange Jahre belasteten.<br />Darüber hinaus unterschied sich der Alltag in Konstanz jedoch nicht wesentlich vom Nachkriegsalltag in anderen Städten Deutschlands. Hier waren, wie anderswo auch, Hamsterfahrten und andere Eigeninitiativen für das Überleben unabdingbar, hier leisteten die Hausfrauen die gleiche Überlebensarbeit unter den gleichen Mangelbedingungen wie in anderen Städten.<br />Auch in Konstanz hatte deer Mangel an Männern dazu geführt, dass Frauen in Männerberufen als Ersatz eingesetzt und wenige Jahre nach Kriegsende wieder von ihren Arbeitsplätzen verdrängt wurden.<br />Auch in der Wahrnehmung der Besatzer unterschieden sich die Konstanzer nicht von ihren Zeitgenossen. Sie litten gleichfalls unter der Rechtlosigkeit und dem Informationsmangel. Und wie überall in Deutschland erlagen viele Konstanzerinnen dem Charme der Besatzer, was ihnen, wie anderswo auch, die Ablehnung ihrer Umgebung einbrachte.<br />Abschließend lässt sich sagen, dass der Nachkriegsalltag in Konstanz sowohl von Männern als auch von Frauen außerordentliche Anstrengungen und Entbehrungen abverlangte, sich in seiner Ausprägung jedoch nicht wesentlich vom Leben in anderen deutschen Kleinstädten zwischen 1945 und 1949 unterschied. 2003 Studies on daily life in Constance 1945-1949 Reich, Hanna Sophia Reich, Hanna Sophia deu application/pdf 2011-03-25T09:35:20Z

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