Der Verein in der Spätmoderne

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MAYER, Michael, 2006. Der Verein in der Spätmoderne [Dissertation]. Konstanz: University of Konstanz

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2011-03-25T09:33:41Z Mayer, Michael Mayer, Michael 2011-03-25T09:33:41Z deu Der Verein in der Spätmoderne application/pdf The association in the late modern 2006 Zusammenfassung<br /><br /><br />Im Vereinswesen findet eine Revolution der Strukturen statt. Viele traditionelle Organisationsformen wie Musik-, Gesang-, und Schützenvereine und religiös geprägte Gruppen sind im Begriff sich aufzulösen oder haben Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Nachwuchs. Das soll aber nicht heißen, dass das Vereinswesen in Deutschland ausstirbt, im Gegenteil: immer mehr Menschen sind in Vereinen organisiert. Im Jahre 1997 waren rund 41 Millionen Vereinsmitgliedsschaften (ohne Doppelmitgliedschaften) in etwa 340 000 Vereinen registriert und die Zahl steigt. (Agricola 1997: 29) Damit ist rein statistisch betrachtet jeder zweite Deutsche vom Kleinkind bis zum Greis in einem Verein organisiert. Bei diesem Steigerungsprozess bilden sich Vereine, die sich in ihrer Funktion von den traditionellen Formen unterscheiden. Das sind vor allem Gruppen, die sozialen Bewegungen zuzuordnen sind; und Vereine, bei denen der Konsum und das Erlebnis die Tradition ablöst. Und es ist vor allem der Sportverein, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut. So haben gerade diese Organisationsformen, die den Freizeitsport in den Mittelpunkt stellen, in den Jahren 1965 bis 1993 um rund 13 Millionen auf etwa 20 Millionen Mitglieder zugenommen. Das entspricht einer Steigerung von fast 190 Prozent. (Agricola 1997: 27)<br />Um eine Antwort auf die spannende Frage nach der Ursache des Strukturwandels im Vereinswesen zu finden, haben wir uns bei der Analyse im Wesentlichen auf die Theorie von Niklas Luhmann berufen. Dieser Ansatz besagt, dass die moderne Gesellschaft durch die Form ihrer Differenzierung gekennzeichnet ist. Die Gesellschaft bildet zur Lösung ihrer Probleme spezifische Teilsysteme wie Wissenschaft, Erziehung, Gesundheit, Recht, Wirtschaft und Politik. Besondere Aufmerksamkeit haben wir in dieser Untersuchung dem politischen und religiösen System gewidmet. So haben wir festgestellt, dass das politische System in der Gemeinde mitverantwortlich ist für den Wandel im Vereinswesen. Macht wurde als Kommunikationsmedium eingesetzt, um die gestiegene Komplexität der Umwelt abzuarbeiten. Das ist daran zu sehen, dass der frisch gewählte Bürgermeister nach der Machtübernahme die Fusion zweier kleiner Sportvereine zum Großverein förderte. Dabei wurde der Großverein mittels Macht zu einer taktischen Größe herabgestuft, die politisch berechenbar und im Sinne des Machterhalts einsetzbar wird. Dieser politische Schachzug ist weniger auf das Gemeinwohl ausgerichtet als vielmehr von daher zu verstehen, dass Vereine, besonders in kleinen Gemeinden, großen Einfluss auf lokale Entscheidungen wie beispielsweise Bürgermeisterwahlen haben: kann man die Mitglieder der Vereine politisch gewinnen, ist die Wahl zumindest in kleineren Gemeinden so gut wie gelaufen.<br />Aber es ist nicht nur das politische System in der Gemeinde verantwortlich für den Wandel im Vereinswesen. In der gesamten Umwelt steigt durch funktionale Differenzierung die Komplexität. So lässt sich sagen, dass die Strukturveränderungen im Vereinswesen zurückzuführen sind auf die Abfolge von Differenzierungsprinzipien. Die zunehmende Komplexität der Umwelt wird durch sozio-kulturelle Evolution abgearbeitet. Zahlreiche Vereinsformen entstehen und andere Formen werden negativ beziehungsweise positiv selektiert. Negativ selektiert wird vor allem die Tradition: sie lässt sich nicht mehr erfolgreich kommunizieren. Positiv selektiert werden die Organisationen, die in der sozio-kulturellen Evolution bestehen. Sie sind nach der Selektion stärker mit Programmen von binär codierten Systemen verknüpft, als dies bei den traditionellen Formen der Fall war. Das heißt, Ihre Identität ist kompatibel mit der operativen Schließung wichtiger Funktionssysteme. Dabei ist die Suche der freiwilligen Organisationen nach einer neuen oder überhaupt nach einer Identität in der funktional differenzierten Gesellschaft die Suche nach einer Funktion geworden. Die Vereine tasten sich in ihrer Selbst- und Fremdbeobachtung danach ab und finden ihre Identität in der Differenz binärer Codierungen. Diese Differenzen treten in der sozialen Realität als Programme der jeweiligen Systeme auf. Da sich binäre Codierungen besonders gut für Widersprüche eignen und damit die Voraussetzung für mögliche Variationen bilden, können sie als Sicherung für die Anschlussfähigkeit von freiwilligen Organisations-Systemen begriffen werden. Restabilsierungsfunktionen übernimmt neben den positiv selektierten Formen auch das System Religion. Die religiösen Gehäuse verschwinden, weil sich die neuen Gottesvorstellungen als weniger organisationsbedürftig erweisen. Das Religiöse löst sich nicht auf, (als anthropologische Konstante kann es sich unserer Annahme nach nicht auflösen), es taucht im Sportverein wieder auf; das heißt, der Körper wird sakralisiert. Damit erklären wir das zunehmende Interesse am Sport. deposit-license

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