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Neuropsychologische und neurophysiologische Aspekte intensiver Sprachtherapie bei chronischer Aphasie

Neuropsychologische und neurophysiologische Aspekte intensiver Sprachtherapie bei chronischer Aphasie

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Prüfsumme: MD5:4d8290d8da61b411fc38eec090033e0b

MEINZER, Marcus, 2004. Neuropsychologische und neurophysiologische Aspekte intensiver Sprachtherapie bei chronischer Aphasie

@phdthesis{Meinzer2004Neuro-11106, title={Neuropsychologische und neurophysiologische Aspekte intensiver Sprachtherapie bei chronischer Aphasie}, year={2004}, author={Meinzer, Marcus}, address={Konstanz}, school={Universität Konstanz} }

2011-03-25T09:25:35Z 2011-03-25T09:25:35Z 2004 application/pdf Meinzer, Marcus In der vorliegenden Arbeit wurde die Effektivität eines Trainings (Constraint-Induced Aphasia Therapy, CIAT) für Patienten mit chronischer Aphasie nach Schlaganfall anhand verschiedener multidimensionaler Variablen evaluiert. Diese umfassten standardisierte Sprachtests, Selbst- und Fremdbeurteilung der Quantität und Qualität von Alltagskommunikation und eine neurophysiologische Untersuchung mittels Magnetenzephalographie (MEG).<br /><br />Das untersuchte Trainingsverfahren integriert Aspekte kommunikativer Aphasietherapie (Pulvermüller et al. 1992) und Prinzipien aus dem Bereich der Rehabilitation motorischer Funktionen nach Schlaganfall (Constraint-Induced Movement Therapie, CIMT, Taub et al. 2002). Dabei werden die lerntheoretisch begründeten Prinzipien der CIMT: intensives Training (massed practice, 30 Std. in 10 Tagen), eine graduelle Steigerung der Anforderungen an die Patienten (shaping) und die Einschränkung nicht-verbaler Kommunikation (constraint) im Rahmen eines kommunikativen und interaktiven Gruppensettings (Nähe des Settings zur Alltagskommunkation = Verhaltensrelevanz) realisiert.<br /><br />Neben der Replikation der Pilotstudie zur CIAT (Pulvermüller et al. 2001) wurden für eine zweite Patientengruppe weitere Therapiemodule entwickelt (Integration schriftsprachlicher Items, Einbeziehung der Angehörigen im Rahmen eines zusätzlichen Alltagstrainings, CIATneu) und mit der ursprünglichen CIAT (CiAToriginal) verglichen. Insgesamt wurden 27 Patienten (12 CIAToriginal, 15 CIATneu) mit chronischer Aphasie (>12 Monate seit dem Schlaganfall) behandelt. Neben der unmittelbaren Wirksamkeit der CIAT auf Sprachfunktionen wurden die Langzeiteffekte der Intervention im Rahmen einer Halbjahreskatamnese untersucht.<br /><br />Die vorliegende Studie repliziert die Ergebnisse der Pilotstudie hinsichtlich der unmittelbaren Effektivität der CIAT. Beide Behandlungsgruppen verbesserten sich nach Therapieende signifikant hinsichtlich sprachlicher Leistungen und es konnte ein Übertrag des Gelernten in den Alltag erreicht werden. Patienten und Angehörige berichten über eine Zunahme von Alltagskommunikation. Die Qualität von Alltagskommunikation wurde von den Angehörigen der Patienten als verbessert eingeschätzt. Die erzielten Verbesserungen konnten bei verschiedenen Syndromen der Aphasie nachgewiesen werden und die Dauer der Erkrankung hatte keinen Einfluss auf das Ausmaß der erzielten Verbesserungen. Im Rahmen der Halbjahreskatamnese erwiesen sich die erzielten Verbesserungen der sprachlichen Leistungen auf Einzelfallbasis und über die Gruppe betrachtet als stabil, es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen. Hinsichtlich der Zunahme und der Qualität von Alltagskommunikation ergaben sich jedoch im Rahmen der Katamnese differentielle Effekte zugunsten der Gruppe CIATneu.<br /><br />Mittels MEG konnten hirnfunktionelle Korrelate der sprachlichen Verbesserungen nach Therapieende nachgewiesen werden. Hierbei ergaben sich enge Zusammenhänge zwischen der Veränderung dysfunktionaler Wellenmuster im Deltafrequenzband (1-4 Hz.) und den Verbesserungen sprachlicher Leistungen. Diese Veränderungen konnten v.a. im periläsionalen Bereich der magnetresonanztomographisch (MRT) verifizierten Läsion nachgewiesen werden, was die Bedeutung dieser Bereiche für eine erfolgreiche Rehabilitation, auch im chronischen Stadium der Aphasie, betont.<br /><br />In der vorliegenden Studie konnte die Effektivität der CIAT im chronischen Stadium der Aphasie, sowie die Stabilität der erzielten Verbesserungen nachgewiesen werden, was eine Grundlage der Anwendbarkeit des Verfahrens darstellt. Daneben haben sich die verschiedenen Ergänzungen des ursprünglichen Settings als sinnvoll erwiesen und die Akzeptanz von Seite der Patienten und Angehörigen war hoch. Verschiedene multidimensionale Evidenzen konvergieren in der vorliegenden Arbeit und ermöglichen eine differenzierte Beurteilung der therapeutischen Effekte. Die Tatsache, dass mit dem vorliegenden Verfahren deutliche und stabile Verbesserungen innerhalb eines kurzen Zeitraums nachweisbar sind, die Generalisierung in Alltagskommunikation und die hohe Effizienz aufgrund des Gruppensettings, rechtfertig eine Erprobung im klinischen Alltag. Daneben legt die Replikation der Effektivität eines kurzfristigen intensiven Trainings ein Umdenken im Rahmen der aktuellen Praxis der Rehabilitation chronischer Aphasienahe. Neuropsychologische und neurophysiologische Aspekte intensiver Sprachtherapie bei chronischer Aphasie Neuropsychological and neurophysiological evaluation of intensive language therapy deu Meinzer, Marcus deposit-license

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