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Erkrankungen des Traumaspektrums bei ruandischen Waisen des Genozids : Epidemiologie und Behandlung

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SCHAAL, Susanne, 2006. Erkrankungen des Traumaspektrums bei ruandischen Waisen des Genozids : Epidemiologie und Behandlung [Dissertation]. Konstanz: University of Konstanz

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Schaal, Susanne deu 2011-03-25T09:23:23Z 2006 Erkrankungen des Traumaspektrums bei ruandischen Waisen des Genozids : Epidemiologie und Behandlung application/pdf Trauma-spectrum disorders in Rwandan orphans of the genocide epidemiology and treatment deposit-license Im Jahre 1994 kamen in Ruanda innerhalb von 100 Tagen fast eine Million Menschen auf brutalste Weise ums Leben. Vorliegende Studie untersuchte die Traumakonfrontation und mentalen Gesundheitseffekte dieses staatlich organisierten Genozids bei ruandischen Waisen (n = 118) 11 Jahre nach dem Völkermord. Die Stichprobe setzte sich aus Vollwaisen zusammen, die entweder in kindergeführten Haushalten oder in Waisenheimen der Hauptstadt Kigali lebten. Risikofaktoren wurden analysiert und die Wirksamkeit zweier Therapieverfahren verglichen.<br />Diese Untersuchung zeigt, dass Jugendliche und junge Erwachsene in Ruanda, die zur Zeit des Genozids Kinder waren und während des Genozids mindestens einen Elternteil verloren haben, mit einer großen Anzahl potentiell traumatischer Ereignisse konfrontiert wurden, von denen jedes einzelne als extrem stressvoll betrachtet werden kann: z.B. glaubten fast alle Befragten, dass sie selber sterben werden (85%), viele wurden Zeuge des Mordes einer Person (70%) oder erlebten ein Massaker (53%), und 20%wurden Zeuge des Mordes an Vater oder Mutter.<br />Bei 34% der interviewten Waisen wurde eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, Punktprävalenz) nach den DSM-IV Kriterien diagnostiziert, 36% erfüllten die Kriterien einer Major depressiven Episode, und 37% wiesen ein Suizidrisiko auf.<br />Die PTBS trat in hohem Maße komorbid mit Depression, Suizidalität und Schuldgefühlen auf.<br />Eine Analyse möglicher Einflussfaktoren (Geschlecht, Wohnort, Alter zum Traumazeitpunkt, Anzahl der erlebten, potentiell traumatischen Ereignisse und Beschäftigungsstatus) auf diese Störungen zeigte, dass das Ausmaß der Traumaexposition einen Prädiktor für alle untersuchten Psychopathologiewerte darstellte und dass weibliche Befragte stärker von der PTBS, Depression und einem Suizidrisiko betroffen waren als männliche Personen.<br />In einem weiteren Schritt wurde den mit PTBS diagnostizierten Waisen eine Psychotherapie angeboten. 12 Betroffene erhielten Narrative Expositionstherapie (NET, 3 individuelle NET-Sitzungen und eine individuelle Trauersitzung), und 14 Waisen bekamen Interpersonelle Psychotherapie (IPT) in der Gruppe (4 IPT-Gruppensitzungen). 3 Monate nach der Therapie zeigten Teilnehmer beider Therapiegruppen Verbesserungen in der PTBS- und Depressionssymptomatik, und es lagen bei allen Messungen keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Behandlungsgruppen vor. Zum 6-Monats Follow-up erwies sich die NET bei der PTBS-Behandlung als die eindeutig bessere Therapie. Während sich die PTBS-Symptomatik der NET-Teilnehmer vom Post-Test zum Follow-up weiter verbesserte, konnten die Teilnehmer der IPT-Gruppe das 3-Monats Ergebnis nicht beibehalten. Zum Follow-up erfüllten in der NET-Gruppe noch 25% die PTBS-Diagnosekriterien; in der IPT-Gruppe waren es hingegen 71%. Obwohl Teilnehmer beider Therapiegruppen eine bedeutsame Reduktion der Depressionssymptome aufwiesen, erwies sich auch hier die NET als wirkungsvoller. Das Vorliegen einer Major depressiven Episode reduzierte sich vom Prä-Test zum Follow-up in der NET-Gruppe von 67% auf 17% und in der IPT-Gruppe von 93% auf 50%. Außerdem zeigten sich bei allen Messungen der PTBS- und Depressionssymptomatik größere Effektstärken in der NET-Gruppe als in der IPT-Gruppe.<br />Diese Behandlungsstudie mit traumatisierten Waisen zeigt, dass NET und Gruppen-IPT viel versprechende Behandlungsansätze darstellen: Während die NET effektiver war bei der Reduktion der posttraumatischen Stresssymptomatik und der Depressionsschwere, führten beide Therapiebedingungen zu einer signifikanten Verbesserung in der Depressionsschwere. Schaal, Susanne 2011-03-25T09:23:23Z

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