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Lateralisierung sprachbezogener Prozesse bei Patienten mit Aphasien : Veränderungen im Verlauf der Rehabilitation

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Prüfsumme: MD5:f1880d564e06bee4d4769ef95c373dfd

HENSEL, Sandra, 2004. Lateralisierung sprachbezogener Prozesse bei Patienten mit Aphasien : Veränderungen im Verlauf der Rehabilitation

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Hensel, Sandra application/pdf deposit-license Hensel, Sandra 2011-03-25T09:22:20Z Lateralization patterns of speech-correlated processes in aphasic patients recovery processes Lateralisierung sprachbezogener Prozesse bei Patienten mit Aphasien : Veränderungen im Verlauf der Rehabilitation Ziel der vorliegenden Arbeit war die Präzisierung funktioneller Asymmetrien anhand von Mustern sprachbezogener Gehirnaktivität unter besonderer Berücksichtigung von Veränderungen im Verlauf der Rehabilitation nach linkshemisphärischem Insult. Hierzu wurden die sprachsystematischen Verbesserungen der Patienten mit dem Aachener Aphasie Test (AAT) während eines Zweijahreszeitraumes in Abständen von 4-5 Monaten erfasst. Ferner mussten die Probanden während der Ableitung des Elektroenzephalogramms (EEG) speziell konstruierte Testaufgaben (Artikelentscheidungsaufgabe und Semantische Klassifikationsaufgabe) bearbeiten. Die Aufgaben wurden ausgewählt, um syntaktische und semantische Verarbeitung wortabhängiger linguistischer Informationen zu untersuchen (vgl. Dobel, 1999; Zobel 2000; Dobel et al., 2001; Härle et al., 2002). Die Veränderungen im Muster der elektrischen Hirnaktivität im Verlauf der Erholung nach einem Schlag­anfall wurden mittels unterschiedlicher Kennwerte (Reaktionszeiten, Fehlerprozente, ereigniskorrelierte Potentiale, fokale langsame Hirnwellen im Frequenzband von 1-4 Hz) ausgewertet, mit den Werten einer gesunden Kontrollgruppe verglichen und aus der Perspektive kortikaler Reorganisation diskutiert.<br />Zusammenfassend zeigte sich bei den aphasischen Patienten ein typischer Rehabilitationsverlauf. Neuropsychologische Testwerte, Verhaltensreaktionen und eine zu Beginn nachweisbare pathologische Aktivierung im Delta-Frequenzband verbessern sich am deutlichsten im ersten Jahr nach der Schädigung (Zeitraum der Spontanerholung). Dies zeigt sich in zunehmend besseren Testleistungen im AAT, in einer Reduktion der Fehleranzahl und in schnelleren Reaktionslatenzen in den EEG-Aufgaben (hauptsächlich bei der, für die Aphasiker schwierigeren, syntaktischen Aufgabe). Ferner bestätigt sich die Verbesserung in einer deutlichen Abnahme der Amplituden im Delta-Frequenzband sowie der Stärke der Deltageneratoren (vgl. Hensel et al., 2004). Für die ereigniskorrelierten Potentiale ließen sich im Untersuchungszeitraum charakteristische Veränderungen in den topographischen Mustern aufzeigen. Diese liefern nützliche Hinweise auf die während der Rehabilitation aktiven Mechanismen. Während es früh im Erholungsprozess zu einer Übernahme der Funktionen durch homologe Areale der rechten Hemisphäre kommt, weisen die Befunde im späteren Prozess auf eine Re-Aktivierung in der geschädigten linken Hemisphäre hin. Dies steht im Einklang mit den Ergebnissen einer Vielzahl anderer Studien, welche von einer rechtshemisphärischen Aktivierung in den homologen Spracharealen während des Erholungsprozesses berichten (z.B. Belin et al., 1996; Karbe et al., 1998; Heiss et al., 1997, 1999). Eine dauerhafte rechtshemisphärische Aktivierung wurde dabei in der Regel bei dauerhaften und ausgedehnten Beeinträchtigungen linkshemisphärischer Sprachareale beobachtet. Die letztendliche Spracherholung scheint dagegen mit der Reorganisation in der linken Hemisphäre oder zumindest bilateral einherzugehen (Metter et al., 1992; Cao et al., 1999). Mittels Quellenanalysen konnte explorativ gezeigt werden, dass es bei Patienten, die sich gut erholen, innerhalb des linken Temporalkortex im Verlauf der Rehabilitation zu einer Verlagerung des Aktivierungsmaximums kommt. Dieser Befund kann mit gegebener Vorsicht im Rahmen der von Munk (1877) aufgestellten Vicariierungshypothese interpretiert werden. Munk postulierte, dass nach der Schädigung eines umschriebenen Gebietes der Hirnrinde benachbarte Kortexareale verloren gegangene Funktionen übernehmen können. Diese Annahmen wurden seither mehrfach experimentell untermauert (vgl. Naeser et al., 1987; Heiss et al. 1993; Fink, 1993; Musso et al., 1999; Cramer & Bastings, 2000).<br />Schlussfolgernd kann festgehalten werden, dass die aufgezeigten Veränderungen im Muster der Gehirnaktivität im Erholungsverlauf parallel zu der funktionellen Verbesserung der Sprache einen Hinweis auf kortikale Reorganisation liefern. Sowohl der Regression funktionaler Deaktivierung (Diaschisis) in strukturell nicht betroffenen Hirnarealen (der betroffenen Hemisphäre), als auch der Substitution und der Kompensation durch Areale beider Hemisphären, werden Bedeutung für die Erholung von Sprachfunktionen nach einem Schlaganfall beigemessen. Insgesamt gelang es, anhand von zwei hirnfunktionellen Indikatoren (fokale langsame Gehirnakti­vität und ereigniskorrelierte Potentiale), links-temporale Dysfunktionen, die mit eingeschränkten Sprach­funktionen kovariieren, abzubilden und eine Abnahme der Dys­funktionalität vor allem im ersten Jahr der Erholung nachzuweisen. EEG-Aufzeichnungen in Kombination mit Quellenanalysen eignen sich folglich zur Bestimmung und Lokalisierung dysfunktionaler Hirnbereiche sowie zur Beobachtung des Verlaufs von Rehabilitationsprozessen bei Aphasien. 2011-03-25T09:22:20Z deu 2004

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