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Prozesse kognitiver Inhibition bei schizophrenen Patienten : Räumliches, identitätsspezifisches und semantisches Negatives Priming

Prozesse kognitiver Inhibition bei schizophrenen Patienten : Räumliches, identitätsspezifisches und semantisches Negatives Priming

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Prüfsumme: MD5:0db5cdd693a8eaf2ca0f33ffbdc2dfcd

HÖNIG, Klaus, 2003. Prozesse kognitiver Inhibition bei schizophrenen Patienten : Räumliches, identitätsspezifisches und semantisches Negatives Priming

@phdthesis{Honig2003Proze-10706, title={Prozesse kognitiver Inhibition bei schizophrenen Patienten : Räumliches, identitätsspezifisches und semantisches Negatives Priming}, year={2003}, author={Hönig, Klaus}, address={Konstanz}, school={Universität Konstanz} }

Hönig, Klaus Cognitive inhibition in patients with schizophrenia. Negative priming for spatial location, stimulus identity and semantic context application/pdf Hönig, Klaus deposit-license 2011-03-25T09:21:14Z 2011-03-25T09:21:14Z Prozesse kognitiver Inhibition bei schizophrenen Patienten : Räumliches, identitätsspezifisches und semantisches Negatives Priming Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit steht die Untersuchung<br />inhibitorischer Verarbeitung irrelevanter Reizaspekte im Zuge<br />selektiver Aufmerksamkeit bei schizophrenen Patienten,<br />Zwangserkrankten und gesunden Probanden. Kognitive Inhibition<br />wurde hierbei über Paradigmen des Negativen Primings (NP) auf drei<br />verschiedenen Verarbeitungsebenen (räumlich, identitätsspezifisch<br />und semantisch) realisiert. Beim semantischen Priming wurde<br />zusätzlich von der elektrophysiologischen Methode der<br />Ereigniskorrelierten Potentiale (EKPs) Gebrauch gemacht.<br /><br />Experiment 1 stellt ein innovatives Paradigma vor, mit dem starke<br />(identitätsspezifische) NP-Effekte erzielt werden können. Die<br />Aufgabe besteht darin, den jeweils größeren Wert zweier simultan<br />präsentierter Zahlen anzugeben. Während in den kritischen<br />Bedingungen der aktuelle Zielreiz entweder mit der Position des<br />vorangegangenen Störreizes, seiner Identität, oder beiden<br />identisch ist, existiert in der Kontrollbedingung keine solche<br />Übereinstimmung zwischen aktuellem Zielreiz und vorangegangenem<br />Störreiz. Signifikantes identitätsbezogenes NP konnte in<br />sämtlichen Gruppen beobachtet werden. Unversehrtes inzidentelles<br />räumliches NP konnte für gesunde Probanden und Zwangserkrankte<br />beobachtet werden, nicht aber für schizophrene Patienten.<br />Schizophrene Patienten scheinen demnach räumlich-inhibitorische<br />Aspekte der selektiven Aufmerksamkeit nicht in gleicher Weise für<br />ihre Entscheidung zu nutzen, wie dies Gesunde tun. Darüber hinaus<br />erbrachte eine Subtypisierung der Zwangserkrankten anhand ihrer<br />Psychopathologie einen ersten Hinweis auf differentielle<br />NP-Beeinträchtigungen in Abhängigkeit vom zeitlichen Interval<br />zwischen erfolgter Reaktion und nachfolgendem Reizpaar.<br /><br />In den Experimenten 2 und 3 wurde im Rahmen einer<br />Satzeinkleidungsprozedur semantische Inhibition während<br />kontextgeleiteter Resolution lexikalischer Ambiguität untersucht.<br />In der kritischen Inhibitionsbedingung ist das Testwort (Apfel)<br />diskordant zur Satzbedeutung (Zweimal im Monat versagte die<br />Birne), gleichwohl aber semantisch assoziiert mit der nicht<br />gebahnten Bedeutung des mehrdeutigen Satzschlusswortes. In diesem<br />Fall wurde das Testwort langsamer und fehlerhafter als<br />semantisch unpassend zurückgewiesen als wenn es gänzlich neutral<br />zum vorangegangenen Satz war. Im Kontrollsatz wurde hierbei das<br />Homonym durch ein semantisch verwandtes Nicht-Homonym (Leuchte)<br />ersetzt. Die verlängerte Reaktionslatenz in der diskordanten<br />gegenüber der neutralen Bedingung lässt auf eine unzureichende<br />Disambiguierung der Homonymbedeutungen schließen. Die Herstellung<br />einer hinreichenden Aktivationsdifferenz der alternativen<br />Homonymbedeutungen hätte die Hemmung der kontextuell irrelevanten<br />Bedeutungsschattierung erfordert.<br /><br />Einen zusätzlichen Hinweis auf das Aktivationsniveau der<br />kontextuell inkongruenten Homonymbedeutung erbrachte die<br />ereigniskorrelierte N400. Diese sprachrelevante EKP-Komponente gilt<br />als inverses Maß der semantischen Integrierbarkeit eines die N400<br />auslösenden Wortes in den übergeordneten Bedeutungszusammenhang.<br />In beiden inkongruenten Bedingungen löste das jeweils semantisch<br />unpassende Testwort signifikante N400-Amplituden typischer<br />Charakteristik (Negativität mit zentro-parietalem Maximum um 400 ms<br />nach Reizbeginn mit rechtshemisphärischer Betonung) aus. In der<br />diskordanten Bedingung war diese Negativität zudem signifikant<br />geringer ausgeprägt als in der neutralen. Im Einklang mit der<br />Erklärung der Verhaltensdaten führt die unzureichende Inhibition<br />der kontextuell unpassenden -- gleichwohl aber zum Testwort<br />assoziierten -- Homonymbedeutung dazu, dass das Testwort eine<br />scheinbar größere semantische Nähe zur Satzbedeutung aufweist. Ein<br />Mediansplit anhand der differentiellen Reaktionszeiten beider<br />inkongruenter Bedingungen machte deutlich, dass sich die<br />N400-Amplitude der diskordanten Bedingung mit zunehmender<br />Inhibitionsleistung der negativeren N400 der neutralen Bedingung<br />annähert.<br /><br />Experiment 3 zeigte schließlich, dass sich schizophrene Patienten<br />sowohl auf der Verhaltensebene als auch in Bezug auf die N400 von<br />den Ergebnissen der gesunden Probanden unterscheiden: So fand sich<br />für die Patientengruppe keine differentielle<br />Reaktionszeitverzögerung zwischen den inkongruenten Bedingungen.<br />Vielmehr schlug sich die Interferenz zwischen Testwort und nicht<br />inhibierter Homonymbedeutung in einer zulasten der diskordanten<br />Bedingung deutlich erhöhten Fehlerrate nieder. Hinsichtlich der<br />N400 fand sich weder die bei gesunden Probanden beobachtete<br />Lateralisierung zugunsten der rechten Hemisphäre, noch eine<br />Amplitudendifferenz zwischen den beiden inkongruenten Bedingungen.<br />Zusammengenommen legen diese Befunde für die Patienten eine<br />Veränderung des neurokognitiven Substrats nahe, durch das eine<br />erfolgreiche Disambiguierung von Homonymie durch kontextgeleitete<br />semantische Inhibition überhaupt erst ermöglicht wird. deu 2003

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