Sozialisationsbedingungen von Aggressivität in Japan und Deutschland

dc.contributor.authorKornadt, Hans-Joachimdeu
dc.contributor.authorTrommsdorff, Gisela
dc.date.accessioned2011-03-25T09:23:59Zdeu
dc.date.available2011-03-25T09:23:59Zdeu
dc.date.issued1997deu
dc.description.abstractDieses Kapitel befaßt sich nicht mit Gewalthandlungen, sondern mit den psychologischen Voraussetzungen für sie. Wir gehen dazu davon aus, daß Gewalthandlungen - was auch immer die momentanen Umstände in der jeweiligen Situation sein mögen - immer eine bestimmte Bereitschaft, eine motivationale Disposition, zur Voraussetzung haben. Wir gehen ferner davon aus, daß es in dieser Bereitschaft individuelle und vielleicht auch kulturelle Differenzen gibt, die sich in Art, Anlaß und Häufigkeit von Gewalthandlungen zeigen. Will man der Frage nach dem Auftreten bestimmter oder unterschiedlich häufiger Gewalthandlungen nachgehen, muß man die Natur und Funktionsweise dieser Disposition und der Bedingungen ihrer Entwicklung aufklären. Wir bewegen uns im folgenden auf dem Boden einer Motivationstheorie der Aggression, d. h. wir sehen in unterschiedlichen Ausprägungen des Aggressionsmotivs die psychologische Grundlage unterschiedlicher Gewaltbereitschaft, und im Sozialisationsprozeß für dieses Motiv die entscheidenden Bedingungen für individuelle bzw. kulturelle Differenzen der Gewaltbereitschaft oder von Gewalthandlungen. Die Basis für die Ergebnisse und Schlußfolgerungen, über die wir im folgenden berichten wollen, ist einerseits eine etwa 30jährige Forschung zum Aggressionsmotiv und zur Aggressionshemmung von Kornadt (1982a, b; Peper 1981; Zumkley 1978; 1981), die unseres Erachtens eine solide empirische Basis für einen motivationstheoretischen Rahmen geschaffen hat. Andererseits ist die Grundlage eine größere kulturvergleichende Untersuchung, die wir mit Unterstützung der VW-Stiftung zwischen 1980 und 1989 durchgeführt haben. Dabei ging es nicht nur um einen Vergleich zwischen Deutschland und Japan; als zweites europäisches Vergleichsland war eine Stichprobe aus der Schweiz mit einbezogen worden, sowie zwei weitere asiatische Vergleichskulturen, nämlich Bali und Batak aus Indonesien. An diese Untersuchung schließt sich gegenwärtig eine längsschnittliche Nachfolgeuntersuchung an. Mit ihr soll geprüft werden, ob sich unsere bisherigen Ergebnisse bestätigen, d. h., ob sich die Einflüsse der Sozialisationsbedingungen auf die Entwicklung des Aggressionsmotivs über einen Entwicklungszeitraum von etwa 8 Jahren als stabil erweisen. Diese Längsschnittuntersuchung erstreckt sich außerdem nicht nur auf die Entwicklung von Aggressivität, also einer antisozialen Motivation, sondern auch auf das prosoziale Gegenstück zu ihr, den Altruismus. In dieser Hinsicht stützten wir uns auf weitere Untersuchungen, die unabhängig von der genannten kulturvergleichenden Untersuchung von Trommsdorff(\995; 1996a, b im Druck) in Deutschland und verschiedenen anderen Kulturen zum Altruismus durchgeführt worden sind. Der folgende Artikel wird vier Teile umfassen. Nach einer theoretischen und methodischen Einführung wollen wir im zweiten Abschnitt der Frage nachgehen, ob die Aggressivität zwischen Deutschland und Japan tatsächlich verschieden ist. Da sich dies in der Tat als richtig erwiesen hat, sollen dann im dritten Teil Merkmale der Sozialisation untersucht werden, in denen nach der Motivationstheorie der Aggression die Bedingungen für die unterschiedliche Entwicklung des Aggressionsmotivs zu erwarten sind. Wir berichten also Unterschiede in der Sozialisation zwischen Japan und Deutschland, die mit den Unterschieden in der Aggressivität zwischen Deutschland und Japan korrespondieren. Am Ende sollen einige Schlußfolgerungen aus den Ergebnissen gezogen werden im Hinblick auf die Vermeidung von Aggressivität bzw. eines hohen Aggressionsmotivs und im Hinblick auf den sozialen Wandel, der sowohl in Japan wie in Deutschland gegenwärtig zu beobachten bzw. anzunehmen ist.deu
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dc.identifier.citationZuerst ersch. in: Gewalt unter Jugendlichen in Deutschland und Japan: Ursachen und Bekämpfung / Gesine Foljanty-Jost und Dieter Rössner (Hrsg.). Baden-Baden: Nomos, 1997, S. 27-51deu
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