Publikation: Dissemination psychotherapeutischer Module für traumatisierte Geflüchtete : Erkenntnisse aus der Traumaarbeit in Krisen- und Kriegsregionen
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Bei Menschen, die zunehmend und kumulativ chronischen und traumatischen Stressoren ausgesetzt sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, psychische Störungen und Verhaltensdeviationen, aber auch körperliche Erkrankungen zu entwickeln. Geflüchtete sind häufig durch das Erleben organisierter, aber zusätzlich auch häuslicher Gewalt beeinträchtigt. Funktionsuntüchtigkeit behindert die soziale Integrationskapazität und schwächt so über sozialen Ausschluss zusätzlich seelische Gesundheit. Für Traumafolgestörungen gibt es eine Reihe von Behandlungsverfahren, deren Wirksamkeit in wissenschaftlichen Studien ausgezeichnet dokumentiert worden ist. In einkommensstarken Ländern ist in der Regel zu fordern, dass diese Verfahren durch ausgebildete und approbierte Psychotherapeuten durchgeführt werden. Auch wenn die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland gut ausgebaut ist, so ist doch die Kapazität nicht ausreichend, um diese zusätzliche Belastung in den bestehenden Strukturen zu schultern. Es bietet sich daher an, die Erfahrung aus systematischen wissenschaftlichen Studien in ressourcenarmen Kriegs- und Krisengebieten zu nutzen, wo mit Personal begrenzter Ausbildung erhebliche Erfolge erzielt werden konnten: In Form von Kaskadenmodellen lernen Mitglieder der jeweiligen Flüchtlings- und Exilgemeinschaft, belastete Personen zu identifizieren, die eine weitere ausführliche Diagnostik benötigen.. Gebildete und zweisprachige Personen, die idealerweise bereits in das psychosoziale Versorgungssystem des Heimatlandes integriert sind (z. B. Krankenschwestern, Lehrer, Sozialarbeiter), werden geschult, um unter der Supervision zentral organisierter approbierter Psychotherapeuten eine weitere Untersuchung in Form eines strukturierten Interviews durchzuführen und niederschwellig evidenzbasierte und robuste Interventionsmodule durchzuführen. Schwer zu beurteilende oder komplexe und therapierefraktäre Fälle werden an lokale Psychotherapeuten/Psychiater, stationäre Einrichtungen oder an entsprechend spezialisierte Behandlungszentren überwiesen. Diese humanitären Angebote basieren auf den Menschenrechtskonventionen und sichern den Schutz, die Freiheit und Würde der Personen.
Zusammenfassung in einer weiteren Sprache
With each additional accumulative exposure to severe and traumatic stressors, the likelihood of developing mental health problems and physical diseases increases. Displaced individuals have usually experienced a number of serious threats to health due to organized violence in their home country or attacks during the flight. Frequently, domestic violence adds additional strain to the stressors experienced. The resulting impairments in psychosocial functioning reduce the resources needed for social adjustment and integration. Social exclusion then in turn often further aggravates the existing mental health complications. For the treatment of trauma spectrum disorders, different evidence-based psychotherapies are available. In high-income countries, trained and licensed psychotherapists are typically in positions to apply such interventions; however, even an advanced system with a high capacity, such as the psychotherapeutic care offered in Germany, severely struggles to manage the demands associated with the rapid addition of hundreds of thousands of displaced people. Germany’s mental healthcare system at present lacks the resources, both human and technological, to effectively manage the present demands. Systematic scientific studies in resource-poor regions of war and conflict have demonstrated that the dissemination of effective treatment to local personnel, even with limited training, results in substantial improvements in the mental health challenges within the community: Organized as a cascade model, members of the refugee community learn to identify weakened fellow citizens requiring in-depth diagnostic interviews. Educated, bilingual individuals acquainted with their country’s healthcare system (e. g. nurses, teachers and social workers) receive training to conduct structured interviews and evidence-based interventions under the supervision of centrally organized licensed psychotherapists. More complex cases are referred to local psychotherapists, psychiatrists or specialized treatment centers. These humanitarian efforts are based on the convention for the protection of human rights and secure the safety, freedom and dignity of these persons.
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ISO 690
ELBERT, Thomas, Sarah WILKER, Maggie SCHAUER, Frank NEUNER, 2017. Dissemination psychotherapeutischer Module für traumatisierte Geflüchtete : Erkenntnisse aus der Traumaarbeit in Krisen- und Kriegsregionen. In: Der Nervenarzt. 2017, 88(1), pp. 26-33. ISSN 0028-2804. eISSN 1433-0407. Available under: doi: 10.1007/s00115-016-0245-3BibTex
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