Zur Rehabilitation der Konditionalanalyse von Freiheit : finkishness und Frankfurt-Szenarien

dc.contributor.authorSchälike, Julius
dc.date.accessioned2011-07-05T13:45:21Zdeu
dc.date.available2011-07-05T13:45:21Zdeu
dc.date.issued2008deu
dc.description.abstractDie Konditionalanalyse interpretiert Freiheit/Fähigkeit als Disposition und analysiert sie durch kontrafaktische Konditionals: dass A H ausführen kann, heißt, dass A H ausführen würde, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt wären, wenn A etwa wollen würde, dass A H ausführt, oder wenn A sich entsprechend entscheiden würde. Die Konditionalanalyse lässt sich mindestens bis Augustin zurückverfolgen; lange Zeit galt sie weithin als überzeugend, bekannte Vertreter sind Hobbes, Hume, Moore und Tugendhat. In jüngerer Zeit ist sie jedoch in Verruf geraten. Als besonders verheerend gelten Phänomene sog. finkishness – Fälle, in denen ein Gegenstand eine Fähigkeit just unter den Bedingungen verliert, die im Antezedens des entsprechenden Konditionals figurieren. Zucker hat die Fähigkeit, sich in Wasser aufzulösen. Der Konditionalanalyse zufolge heißt das, dass Zucker sich auflösen würde, wenn man ihn in Wasser legte. Ein Zauberer hat es jedoch so eingerichtet, dass der Zucker diese Fähigkeit stets dann verliert, wenn er mit Wasser in Berührung kommt. Dann würde die Konditionalanalyse offenbar das falsche Ergebnis hervorbringen: sie würde dem Zucker die Fähigkeit, sich in Wasser aufzulösen, abschreiben, obgleich er sie durchaus besitzt, solange er trocken bleibt. Entsprechend würde die Konditionalanalyse einem Akteur fälschlich die Fähigkeit, Englisch zu sprechen, absprechen, obgleich er durchaus Englisch sprechen kann – allein es gelingt ihm nicht, diese Fähigkeit zu zeigen, da ein Zauberer sie ihm stets dann nimmt, wenn er sie aktualisieren will.
Dieses Problem wird vielfach zum Anlass genommen, nicht allein die konditionale Analyse von „kann“ zu verwerfen, sondern – mangels Alternative – den Fähigkeitsbegriff für irreduzibel zu halten (Lehrer, Martin, Berofsky). Andere haben die Konditionalanalyse verteidigt – entweder, indem sie bestritten, dass diese Analyse in ihrer ursprünglichen Form bei finkishness falsche Zuschreibungen generiert (Watson), oder indem sie die Analyse modifizierten (Lewis, Vihvelin).
Ich argumentiere, dass die Konditionalanalyse modifiziert werden muss. Dann ermöglicht sie eine angemessene Analyse von Freiheit/Fähigkeit auch in Frankfurt-Szenarien. Auch diese lassen sich nämlich als Fälle von finkishness verstehen. Angenommen, ein Akteur A wurde mit einem neuronalen Implantat ausgestattet, das stets dann, wenn er Anstalten macht, H zu vollziehen, bewirkt, dass A den Willen bildet, H zu unterlassen. Ein solches Frankfurt-Szenario ist für die Konditionalanalyse aus zwei Gründen problematisch. Zum einen leuchtet es intuitiv ein, dass A die Fähigkeit, H zu vollziehen, auch dann fehlt, wenn das Implantat untätig bleibt (dies ist gerade die Pointe dieser Szenarien in dem Diskussionskontext, für den sie entwickelt wurden: der Frage nach dem Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung). Die Konditionalanalyse jedoch – unmodifiziert wie modifiziert – schreibt A diese Fähigkeit zu – fälschlich? Zweitens scheint die Konditionalanalyse A die Fähigkeit, H zu vollziehen, auch dann zuzuschreiben, wenn das Implantat aktiv wird und A dazu bringt, H zu unterlassen – denn würde A wollen, dass A H vollzieht, würde A H vollziehen. Dies jedoch erscheint unplausibel. Ich argumentiere, dass diese Probleme mit einer modifizierte Konditionalanalyse lösbar sind.
deu
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dc.identifier.citationVortrag gehalten am Montag, 15.09.2008 in der Sektion 6.1 Handlungstheorie im Rahmen des XXI. Deutschen Kongreß für Philosophie "Lebenswelt und Wissenschaft". Essen, 2008deu
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