Publikation: Die forensische Relevanz von Antisemitismus als doppelte Brückenideologie
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Tradierte judenfeindliche Vorurteile und Verschwörungserzählungen sind in der Mitte der Gesellschaft weit verbreitet. Zudem sind sie Bestandteil der derzeit prominenten extremistischen Ideologien und werden entsprechend von verfassungsfeindlichen Personen und Gruppierungen verbreitet. Antisemitische motivierte Gewalttaten haben in den letzten Jahren zugenommen. Jüdinnen und Juden werden im Vergleich zu anderen Minoritäten häufiger Opfer schwerer Gewalt, insbesondere durch Personen mit extremistischem Hintergrund, aber auch aus der Mitte der Gesellschaft. Der Beitrag beleuchtet aus der Perspektive der Kriminologie und der Rechtspsychologie, wie sich Antisemitismus in unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen auf die Gewaltbereitschaft Einzelner auswirkt. Antisemitismus dient als doppelte Brückenideologie: einerseits als Bindeglied zwischen Angehörigen unterschiedlicher extremistischer Strömungen und andererseits zwischen extremistischen Strömungen und der gesellschaftlichen Mitte. Besonderes Augenmerk kommt dabei antisemitischen Verschwörungserzählungen zu. Sie schüren in der Gesellschaft Feindseligkeit und Hass gegenüber Jüdinnen und Juden und dienen der Legitimation von Gewalt. Zudem sind sie geeignet, unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zu mobilisieren und zum Überschreiten der Handlungsschwelle zur Gewalt beizutragen.
Zusammenfassung in einer weiteren Sprache
Traditional antisemitic prejudices and conspiracy theories remain widespread in modern society. They are integral to prominent extremist ideologies and are accordingly promoted by antistate individuals and groups. There has been a notable rise in antisemitic violence in recent years. Compared to other minority groups, Jews are disproportionately affected by serious violence, particularly at the hands of extremists as well as members of the broader society. This study explores how antisemitism in various social groups influences the propensity of individuals toward violence, viewed through the lenses of criminology and legal psychology. Antisemitism functions as a bridging ideology in two distinct ways: first, as a link between actors from different extremist ideologies and, second, as a vehicle for extremist ideologies to permeate the center of society. Specific consideration is given to antisemitic conspiracy theories, which rationalize hostility and hatred toward Jews and serve to legitimize violence. Additionally, they mobilize social groups, contributing to crossing the threshold towards violence.
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ISO 690
PROFES, Valerie, Jana DREYER, Michael A. WEBER, 2024. Die forensische Relevanz von Antisemitismus als doppelte Brückenideologie. In: Praxis der Rechtspsychologie. Hogrefe. 2024, 34(2), S. 185-200. ISSN 0939-9062. eISSN 2943-0909. Verfügbar unter: doi: 10.1026/0939-9062/a000017BibTex
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