Der Hermaphrodit und seine Frau : Körper, Sexualität und Geschlecht im Spätmittelalter

dc.contributor.authorRolker, Christof
dc.date.accessioned2014-02-27T13:29:23Zdeu
dc.date.available2014-02-27T13:29:23Zdeu
dc.date.issued2013
dc.description.abstractUneindeutige, „hermaphroditische“ Körper sind ein Grenzfall, an dem sichtbar wird, was sonst meist unsichtbar bleibt, nämlich die Techniken, mit denen Körpern ein Geschlecht zugewiesen wird. Eine Geschichte intersexueller Körper kann für das Mittelalter noch weniger als für andere Epochen allein auf Basis medizinischer und juristischer Texte geschrieben werden. Erzählende Quellen des Spätmittelalters zeigen, dass über Menschen mit geschlechtlich uneindeutigen Körpern erstaunlich unaufgeregt geredet wurde, selbst wenn diese nacheinander als Frau und als Mann verheiratet waren. Selbst der polemische Sprachgebrauch zielte zwar auf verfehlte Männlichkeitsnormen (effeminatio), aber nicht in besonderer Weise auf sexuelle Devianz. „Hermaphroditismus“ war keine Chiffre für Sodomie, für die oft postulierte Verfolgung Intersexueller im Mittelalter gibt es keine Belege. All dies ist nicht als Ausdruck von „Toleranz“ oder als Beleg eines vormodernen one sex model (Laqueur) zu verstehen, sondern ist Ausdruck von relativ niedrigen Anforderungen an Männlichkeit im Allgemeinen und an Männer, die sich verheiraten wollten, im Besonderen; die mittelalterliche Ehe war im historischen Vergleich eine niedrigschwellige Institution. Dazu gehört, dass sie keine anatomisch eindeutigen Körper voraussetzte; gerade deshalb war sie geeignet, eindeutige soziale Geschlechter zu produzieren. Wenn sich dies im Laufe des 16. Jahrhunderts drastisch änderte und die Figur des Hermaphroditen zunehmend sexualisiert wurde, so ist dies vor allem auf höhere Anforderungen an Männlichkeit und eine neue, geschlechtssymmetrische Fassung des Sodomiedelikts zurückzuführen.deu
dc.description.versionpublished
dc.identifier.citationHistorische Zeitschrift ; 297 (2013), 3. - S. 593-620deu
dc.identifier.doi10.1515/hzhz.2013.0508deu
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kops.description.abstractAmbigous, ‚hermaphroditic‘ bodies are liminal bodies, making visible what normally remains invisible, namely, the construction of sex and gender. For the Middle Ages, the history of intersex cannot be written on the basis of medical and legal texts, even less so than for other periods. Narrative sources from the late Middle Ages display a strikingly sober tone when reporting on ambigous bodies, even in cases of people who were married first as women and consecutively as men. Even in polemic usage, ‚hermaphroditism‘ referred to failed masculinity (denoting effeminacy), but not specifically to sexual deviance. Contrary to what has been thought, it does denote sodomy, and there is no primary source evidence for the assumed persecution of intersex people in the Middle Ages. This all should not be seen as evidence for ‚tolerance‘ or Laqueur’s ‚one sex model‘; rather, it indicates relatively low requirements for masculinity in general and for getting married in particular. Medieval marriage had, in historical perspective, rather low barriers, and did not require anatomically unambiguous bodies; for this very reason, it was an institution apt to produce unambiguous genders. This changed dramatically in the sixteenth century, and the figure of the ‚hermaphrodite‘ became increasingly sexualised, as access to marriage became more restricted, demands on masculinity were rising, and sodomy was re-defined as gender-symmetrical.eng
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