Publikation: Soziale Einflüsse auf die Persistenz von Bildungsentscheidungen : Geschlechtsspezifische Übergänge
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Zusammenfassung
In Anbetracht bestehender horizontaler Geschlechtersegregation in Studienfächern und Berufswahl widmet sich die vorliegende Arbeit der Untersuchung der Persistenz von Frauen und Männern in männlich dominierten Karriereverläufen, insbesondere in den Bereichen MINT (Mathematik, Naturwissenschaften, Technik). Einerseits werden geschlechtsspezifische Karriereverläufe in MINT beschrieben, andererseits werden die Gründe für ein Ausscheiden oder den Verbleib in einem einmal gewählten Bildungsweg in sozialen Erfahrungen von jungen Frauen und Männern untersucht. Die drei Forschungsbeiträge adressieren dies und greifen damit bestehende Forschungslücken auf. In der vorliegenden Untersuchung wird daher die leaky pipeline-Metapher einer Prüfung unterzogen. Trotz der gut dokumentierten Unterrepräsentation von Frauen in MINT-Fächern und -Berufen ist die empirische Evidenz für das Vorliegen einer leaky STEM pipeline uneinheitlich, was vor allem an mangelnder methodischer Konsistenz liegt. Die Studien unterscheiden sich insbesondere in (1) der Definition von MINT, (2) in der Frage, ob nur Bildungs- und Berufswahlen oder auch Aspirationen berücksichtigt werden, (3) sowie in der Verwendung von Längs- oder Querschnittsdaten. Um zu analysieren, wie sich solche Unterschiede im Forschungsdesign auf die Messung der Unterrepräsentation von Frauen im MINT-Bereich auswirken, wurde die einschlägige Literatur zur Leaky Pipeline kritisch geprüft und drei zentrale Gestaltungsmerkmale identifiziert. Anhand des deutschen Kontexts und der Kombination von Daten aus PISA, Studierendenstatistik der Statistischen Bundesamts, Mikrozensus und den Startkohorten 4 und 5 des NEPS wird aufgezeigt, wie sich deren Variation auf die Ergebnisse auswirkt. Die Befunde stützen die Leaky-Pipeline-Metapher lediglich im Übergang von der Hochschulbildung in den Arbeitsmarkt. Veränderungen in MINT-Aspirationen zwischen der 9. und 12. Klassenstufe zeigen kein klares Muster; ein Vergleich der Absichten in der 12. Klasse mit der tatsächlichen Studienwahl offenbart sogar einen steigenden Anteil von Frauen im MINT-Bereich. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass in Deutschland keine Leaky Pipeline vorliegt. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Hochschulbildung lassen sich vielmehr dadurch erklären, dass sich mehr Männer für MINT entscheiden, während die Pipeline selbst weitgehend stabil bleibt. Infolgedessen wird die Leaky-Pipeline-Metapher hinterfragt und stattdessen eine lebensverlaufsperspektivische Herangehensweise empfohlen, um Bildungs- und Berufsverläufe in MINT besser zu verstehen. Es wird zu verfeinerten Messstandards aufgerufen, die offizielle MINT-Definitionen, langfristige Beobachtungen von Aspiration bis Berufseinstieg sowie die Nutzung von Längsschnittdaten betonen. Aufbauend auf einer Längschnittperspektive untersucht ein weiterer Beitrag, inwiefern geschlechtsspezifische Unterschiede in der Persistenz bei der Verfolgung von MINT als Studien- und Berufswahl durch soziale Einflüsse geprägt werden. Die Studie verfolgt den Werdegang von Personen vom Eintritt in die Hochschulbildung bis zum Übergang in den Arbeitsmarkt. Aus lebensverlaufstheoretischer Perspektive werden zwei zentrale Fragen gestellt: Wie stabil sind MINT-bezogene Präferenzen im jungen Erwachsenenalter? Und inwiefern beeinflussen soziale Bindungen, etwa zu Freund:innen oder Familienmitgliedern, die Persistenz in MINT? Basierend auf Längsschnittdaten aus der Startkohorte 5 (SC5) des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zeigt sich, dass Mütter mit MINT-Berufen ihre Töchter beim Einstieg ins Studium zur Wahl eines MINT-Berufsziels ermutigen, jedoch nicht beim Übergang in den Arbeitsmarkt. Bei Männern wirken soziale Faktoren hingegen durchgängig stärker: Väter mit MINT-Beruf fördern sowohl die Studienwahl als auch die Persistenz ihrer Söhne. Darüber hinaus ist die Unterstützung durch Freund:innen und Eltern besonders bedeutsam für die Persistenz von Männern im MINT-Bereich während der Hochschulzeit. Ein dritter Beitrag widmet sich ebenfalls dem sozialen Umfeld, untersucht jedoch, inwiefern die Unterrepräsentation von Frauen in männerdominierten Studienfächern mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in den Erfolgserwartungen zusammenhängt. Frauen zeigen dabei tendenziell weniger Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und Erfolgschancen als Männer. Frühere Studien heben die zentrale Bedeutung sozialer Erfahrungen für die Entwicklung solcher Erwartungen hervor. So wirkt sich eine gelungene soziale Integration positiv auf das akademische Selbstvertrauen von Studentinnen aus und erhöht ihre Verbleibchancen in männerdominierten Studienbereichen. Gleichzeitig sind Frauen dort häufiger negativen sozialen Erfahrungen – insbesondere Viktimisierung – ausgesetzt, was diese positiven Effekte untergraben kann. Die konkreten Auswirkungen solcher Erfahrungen auf Erfolgserwartungen in Fächern mit unterschiedlicher Geschlechterverteilung wurden bisher jedoch kaum untersucht. Diese Studie analysiert anhand von Daten von 9.512 Studierenden aus der Studierendenbefragung in Deutschland (SiD), inwiefern offene und relationale Viktimisierung mit Erfolgserwartungen zusammenhängen. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen – insbesondere in männerdominierten Fächern – häufiger Viktimisierung erfahren. Zwar trägt Viktimisierung grundsätzlich zur geschlechtsspezifischen Lücke in den Erfolgserwartungen bei, doch ist dieser Effekt ausschließlich bei Studentinnen in frauendominierten Fächern signifikant und vor allem durch relationale Viktimisierung bedingt. Dies könnte auf unterschiedliche fachkulturelle Bewältigungsmechanismen hinweisen. Die Befunde betonen die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen gegen relationale Viktimisierung, um das akademische Selbstvertrauen von Studentinnen zu stärken und geschlechtsspezifische Ungleichheiten zu verringern.
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ISO 690
STEFANI, Antje, 2025. Soziale Einflüsse auf die Persistenz von Bildungsentscheidungen : Geschlechtsspezifische Übergänge [Dissertation]. Konstanz: Universität KonstanzBibTex
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In der vorliegenden Untersuchung wird daher die leaky pipeline-Metapher einer Prüfung unterzogen. Trotz der gut dokumentierten Unterrepräsentation von Frauen in MINT-Fächern und -Berufen ist die empirische Evidenz für das Vorliegen einer leaky STEM pipeline uneinheitlich, was vor allem an mangelnder methodischer Konsistenz liegt. Die Studien unterscheiden sich insbesondere in (1) der Definition von MINT, (2) in der Frage, ob nur Bildungs- und Berufswahlen oder auch Aspirationen berücksichtigt werden, (3) sowie in der Verwendung von Längs- oder Querschnittsdaten. Um zu analysieren, wie sich solche Unterschiede im Forschungsdesign auf die Messung der Unterrepräsentation von Frauen im MINT-Bereich auswirken, wurde die einschlägige Literatur zur Leaky Pipeline kritisch geprüft und drei zentrale Gestaltungsmerkmale identifiziert. Anhand des deutschen Kontexts und der Kombination von Daten aus PISA, Studierendenstatistik der Statistischen Bundesamts, Mikrozensus und den Startkohorten 4 und 5 des NEPS wird aufgezeigt, wie sich deren Variation auf die Ergebnisse auswirkt. Die Befunde stützen die Leaky-Pipeline-Metapher lediglich im Übergang von der Hochschulbildung in den Arbeitsmarkt. Veränderungen in MINT-Aspirationen zwischen der 9. und 12. Klassenstufe zeigen kein klares Muster; ein Vergleich der Absichten in der 12. Klasse mit der tatsächlichen Studienwahl offenbart sogar einen steigenden Anteil von Frauen im MINT-Bereich. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass in Deutschland keine Leaky Pipeline vorliegt. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Hochschulbildung lassen sich vielmehr dadurch erklären, dass sich mehr Männer für MINT entscheiden, während die Pipeline selbst weitgehend stabil bleibt. Infolgedessen wird die Leaky-Pipeline-Metapher hinterfragt und stattdessen eine lebensverlaufsperspektivische Herangehensweise empfohlen, um Bildungs- und Berufsverläufe in MINT besser zu verstehen. Es wird zu verfeinerten Messstandards aufgerufen, die offizielle MINT-Definitionen, langfristige Beobachtungen von Aspiration bis Berufseinstieg sowie die Nutzung von Längsschnittdaten betonen.
Aufbauend auf einer Längschnittperspektive untersucht ein weiterer Beitrag, inwiefern geschlechtsspezifische Unterschiede in der Persistenz bei der Verfolgung von MINT als Studien- und Berufswahl durch soziale Einflüsse geprägt werden. Die Studie verfolgt den Werdegang von Personen vom Eintritt in die Hochschulbildung bis zum Übergang in den Arbeitsmarkt. Aus lebensverlaufstheoretischer Perspektive werden zwei zentrale Fragen gestellt: Wie stabil sind MINT-bezogene Präferenzen im jungen Erwachsenenalter? Und inwiefern beeinflussen soziale Bindungen, etwa zu Freund:innen oder Familienmitgliedern, die Persistenz in MINT? Basierend auf Längsschnittdaten aus der Startkohorte 5 (SC5) des Nationalen Bildungspanels (NEPS) zeigt sich, dass Mütter mit MINT-Berufen ihre Töchter beim Einstieg ins Studium zur Wahl eines MINT-Berufsziels ermutigen, jedoch nicht beim Übergang in den Arbeitsmarkt. Bei Männern wirken soziale Faktoren hingegen durchgängig stärker: Väter mit MINT-Beruf fördern sowohl die Studienwahl als auch die Persistenz ihrer Söhne. Darüber hinaus ist die Unterstützung durch Freund:innen und Eltern besonders bedeutsam für die Persistenz von Männern im MINT-Bereich während der Hochschulzeit.
Ein dritter Beitrag widmet sich ebenfalls dem sozialen Umfeld, untersucht jedoch, inwiefern die Unterrepräsentation von Frauen in männerdominierten Studienfächern mit geschlechtsspezifischen Unterschieden in den Erfolgserwartungen zusammenhängt. Frauen zeigen dabei tendenziell weniger Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und Erfolgschancen als Männer. Frühere Studien heben die zentrale Bedeutung sozialer Erfahrungen für die Entwicklung solcher Erwartungen hervor. So wirkt sich eine gelungene soziale Integration positiv auf das akademische Selbstvertrauen von Studentinnen aus und erhöht ihre Verbleibchancen in männerdominierten Studienbereichen. Gleichzeitig sind Frauen dort häufiger negativen sozialen Erfahrungen – insbesondere Viktimisierung – ausgesetzt, was diese positiven Effekte untergraben kann. Die konkreten Auswirkungen solcher Erfahrungen auf Erfolgserwartungen in Fächern mit unterschiedlicher Geschlechterverteilung wurden bisher jedoch kaum untersucht. Diese Studie analysiert anhand von Daten von 9.512 Studierenden aus der Studierendenbefragung in Deutschland (SiD), inwiefern offene und relationale Viktimisierung mit Erfolgserwartungen zusammenhängen. Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen – insbesondere in männerdominierten Fächern – häufiger Viktimisierung erfahren. Zwar trägt Viktimisierung grundsätzlich zur geschlechtsspezifischen Lücke in den Erfolgserwartungen bei, doch ist dieser Effekt ausschließlich bei Studentinnen in frauendominierten Fächern signifikant und vor allem durch relationale Viktimisierung bedingt. Dies könnte auf unterschiedliche fachkulturelle Bewältigungsmechanismen hinweisen. Die Befunde betonen die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen gegen relationale Viktimisierung, um das akademische Selbstvertrauen von Studentinnen zu stärken und geschlechtsspezifische Ungleichheiten zu verringern.</dcterms:abstract>
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