Auf der Suche nach einer europäischen Öffentlichkeit : Inhaltsanalyse der Debatte über eine EU-Verfassung in europäischen Tageszeitungen

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Datum
2003
Autor:innen
Esser, Sebastian
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Looking for a European public shere,content analysis of the debate about a EU-constitution in European newspapers
Forschungsvorhaben
Organisationseinheiten
Zeitschriftenheft
Publikationstyp
Masterarbeit/Diplomarbeit
Publikationsstatus
Published
Erschienen in
Zusammenfassung

For some years there has been an intensifying debate in European integration theory on the conception of a transnational public sphere. Generally the existence (or possible development) of such a public sphere is denied. Only a minority of scientists assume that relevant public political communication exists in Europe today. On the other hand, there is broad consensus on the importance of such a public sphere for the exercise of legitimate power by stable, transparent and democratic institutions in the European Union. Only by public discourse will political decisions become accountable, and only by public discourse will collective identities nourish and cultural conflicts be avoided. The speech of the German minister of foreign affairs, Joschka Fischer, at the Humboldt University Berlin on 12 May 2000, marked the beginning of an intense debate on the future of the European Union. In the ensuing discussion politicians from all member states took part. In the mass media the concept of a European constitution was also passionately discussed. Can this debate be regarded as a case of a European public sphere? The paper attempts to answer this question. In the first part the literature on the European public sphere will be reviewed. Three different theory strands of the conception of a European public sphere, which understand the concept of a European public sphere in different ways, are established as ideal types. The liberal mirror model takes on the supervision of European politics by a European public sphere as a conditio sine qua non of a supranational democracy. This is rejected by the pessimist school that considers a European demos as (still) missing. The post-habermasian Berlin school assumes that there already is a sufficient number of communication processes on the European level, which can be characterized as a public sphere. Finally, I will point out some overarching problems of these theories and the literature in general: a meddling of the political and the academic discussion, an orientation towards unrealistic ideal type requirements of public spheres, and a deficit of empirical research. In a second part I will present my own approach. I will promote the argument that important prerequisites for democratic communication in Europe are missing to date. Hence a lack in the development of a European public sphere, I argue. I will suggest the term politics deficit for the lack of transparent political processes that prevent the development of public communication in Europe. The exceptional discussion about a European constitution, started by Fischer's Berlin speech, will be examined as an example of how a European discourse can be produced over substantial political questions, leading to concrete decisions and the strengthening a process of construction of a supranational collective identity. The third part of the paper first shortly sketches the history of the debate, defines the period of investigation and the material examined. Chosen copies of six newspapers from France, Britain and Germany are analysed in a course of roughly seven months. Subsequently, I will advance the computer-assisted content analysis as empirical method and illustrate its theoretical background. Then the research design, the categorical system and the data sources are presented. The data analysis and the documentation of the results of the statistic evaluation are arranged according to the three leading hypotheses and their sub-hypotheses. After the presentation of the general characteristics of the data, I will analyze the hypothesis of the resonance level , the hypothesis of adjustment and the hypothesis of symbolism . As result of the analysis, 19 recapitulatory theses are formulated. Finally I will examine the hypotheses and answer the research question. The investigation leads to the conclusion that the public debate over a constitution for the European Union represents the preliminary stage of a European public sphere. The resonance level of communication is classified and described under all examined publics as European. Besides, only the common perception of a supranational level is missing, but the mutual influences of the publics among themselves point to the fact that it is notably more than an event-dependent communication process between national publics. Thirdly, I find similar attempts in all publics to manufacture a European identity with a common history, a common future and common values. The conclusion offers implications on the possible aftermaths and policy consequences of these results for the further development of the European Union.

Zusammenfassung in einer weiteren Sprache

In der wissenschaftlich Literatur zur europäischen Integration gibt es ein sich seit einigen Jahren verstärkendes Interesse an der Frage, ob eine transnationale Öffentlichkeit prinzipiell vorstellbar ist. Im Allgemeinen wird die Existenz oder auch nur die Möglichkeit der Entwicklung einer solchen Öffentlichkeit bestritten. Nur eine Minderheit der Wissenschaftler geht davon aus, dass es heute bereits relevante öffentliche politische Kommunikation in Europa gibt. Einig ist man sich dagegen in der Betonung der Bedeutung von Öffentlichkeit für das Entstehen legitimer Machtausübung durch stabile, transparente und demokratische Institutionen in der EU. Erst durch Öffentlichkeit werden politische Entscheidungen kontrollierbar, entstehen und festigen sich kollektive Identitäten und werden kulturelle Konflikte vermieden. Mit der Rede des deutschen Außenminister Joschka Fischer an der Humboldt-Universität am 12. Mai 2000 begann eine intensive Debatte über die Zukunft der Europäischen Union, an der sich wichtige Politiker aus allen Mitgliedstaaten beteiligten. Es wurde eine Entwicklung eingeleitet, die zur Einberufung eines europäischen Konvents mit der Aufgabe der Neuordnung der Gemeinschaftsinstitutionen führte. Kann diese Debatte als ein Fall von europäischer Öffentlichkeit betrachtet werden? Die vorliegende Arbeit will diese Frage beantworten. In einem ersten Teil wird zunächst die Literatur in das allgemeine theoretische Umfeld eingeordnet. Drei Theoriestränge werden idealtypisch unterschieden, die europäische Öffentlichkeit unterschiedlich verstehen und beurteilen. Das liberale Widerspiegelungsmodell betrachtet die Kontrolle der Politik durch eine europäische Öffentlichkeit als Voraussetzung einer wirklichen übernationalen Demokratie, die Pessimisten halten die Entstehung einer Öffentlichkeit für unmöglich, weil dazu ein europäischer demos fehle, und die post-habermasianische Berliner Schule geht davon aus, dass schon heute genügend relevante Kommunikationsprozesse auf europäischer Ebene existieren, die als Öffentlichkeit charakterisiert werden können. Schließlich wird auf allgemeine Probleme dieser Ansätze und der Forschungsliteratur hingewiesen: die Vermischung politischer und akademischer Diskussion, die Orientierung an unrealistischen idealtypischen Ansprüchen an Öffentlichkeit und ein Defizit an empirischer Forschung. In einem zweiten Teil wird der theoretische Ansatz dieser Arbeit präsentiert. Es wird argumentiert, dass zur Ausbildung einer europäischen Öffentlichkeit bisher Vorbedingen demokratischer Kommunikation fehlten. Es wird ein Politics-Defizit ausgemacht, das die Entwicklung öffentlicher Kommunikation verhindert. Die außeralltägliche Diskussion über eine europäische Verfassung, ausgelöst durch Fischers Berliner Rede, soll als Beispiel dafür untersucht werden, wie sich ein europäischer Diskurs über politische Sachfragen erzeugen lässt, der zu konkreten Entscheidungen führt und einen Prozess der Konstruktion übernationaler kollektiver Identität verursacht oder verstärkt. Der dritte Teil dieser Arbeit skizziert zunächst den historischen Verlauf der Verfassungsdebatte, grenzt den Untersuchungszeitraum ein und definiert das zu untersuchende Material. Anschließend wird die computergestützte Inhaltsanalyse als empirische Methode gerechtfertigt und ihre theoretischen Hintergründe erläutert. Dann werden Forschungsdesign, Kategoriensystem und Datenquellen präsentiert und Validität und Generalisierbarkeit der Ergebnisse hinterfragt. Die Datenanalyse und die Dokumentation der Ergebnisse der statistischen Auswertung sind entsprechend der drei leitenden Hypothesen und ihrer Subhypothesen gegliedert. Nach der Darstellung der allgemeinen Merkmale der Daten werden nacheinander die Resonanzebenenhypothese , die Angleichungshypothese und die Symbolismushypothese analysiert. Als Ergebnis der Analyse werden 19 zusammenfassende Thesen formuliert. Abschließend werden die Hypothesen überprüft und die Forschungsfrage beantwortet. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die europaweite Debatte über eine Verfassung für die Europäische Union die Vorstufe einer im Entstehen befindlichen europäischen Öffentlichkeit darstellt. Die Resonanzebene der Kommunikation wurde in allen untersuchten Öffentlichkeiten als europäisch eingestuft und beschrieben. Zudem war nicht nur die gemeinsame Wahrnehmung einer übernationalen Ebene vorhanden, sondern die gegenseitigen Beeinflussungen der Öffentlichkeiten untereinander deuten darauf hin, dass es sich auch objektiv beobachtbar um mehr als einen ereignisabhängigen Kommunikationsprozess zwischen Öffentlichkeiten gehandelt hat. Drittens sind in allen Öffentlichkeiten frappierend ähnliche Versuche nachzuweisen, eine europäische Identität mit gemeinsamer Geschichte, gemeinsamer Zukunft und gemeinsamen Werten zu konstruieren. Die Schlussfolgerung weist auf mögliche Auswirkungen und Konsequenzen dieser Ergebnisse für die weitere Entwicklung der Europäischen Union hin.

Fachgebiet (DDC)
320 Politik
Schlagwörter
Europäische Verfassung
Konferenz
Rezension
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Zitieren
ISO 690ESSER, Sebastian, 2003. Auf der Suche nach einer europäischen Öffentlichkeit : Inhaltsanalyse der Debatte über eine EU-Verfassung in europäischen Tageszeitungen [Master thesis]
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